Testament (Symbolbild).
"Tag des Testaments" am 13. September

Was katholische Hilfswerke mit ihrer Erbschaftsinitiative bezwecken

Am 13. September ist "Tag des Testaments": eine Gelegenheit, über sein eigenes Hab und Gut nachzudenken. Auch Hilfswerke kommen da mit einer Initiative ins Spiel. Koordinator Daniel Thiem erklärt die Hintergründe – und verrät, was beim Testament oft vergessen wird.

Von Angelika Prauß (KNA) |  Bonn - 13.09.2020

In den kommenden Jahren werden große Summen vererbt – für den Zeitraum zwischen 2015 und 2024 rechnet eine Studie zum Thema Erben mit 3,1 Billionen Euro. Ein Grund, dass die katholischen Hilfswerke vor einigen Jahren eine gemeinsame Erbschaftsinitiative ins Leben gerufen haben. Deren Koordinator, Daniel Thiem, erläutert zum "Tag des Testaments" am 13. September im Interview die Hintergründe.

Frage: Herr Thiem, warum haben sich die katholischen weltkirchlichen Hilfswerke Adveniat, Misereor, Caritas international, Renovabis, missio und das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" überhaupt zusammengeschlossen?

Thiem: Das Thema Testament und Erbschaft ist von allgemeiner Wichtigkeit und sensibel zugleich. Der gemeinsame Auftritt der Hilfswerke sorgt für Vertrauen und senkt die Hemmschwelle, sich damit zu beschäftigen. Durch Synergien können wir zusammen in einem normalen Jahr bis zu 30 Informationsveranstaltungen anbieten, zumeist in katholischen Einrichtungen. Uns geht es auch um unsere Außenwirkung. Oft engagieren sich Menschen etwa bei mehreren Hilfswerken parallel. Das gemeinsame Angebot wird von ihnen und vielen anderen positiv wahrgenommen.

Frage: Würde das einzelne Hilfswerk aber nicht mehr "abbekommen", wenn es alleine für sich werben würde?

Thiem: Es geht ja eben nicht nur darum, etwas abzubekommen. Hinter jeder Testamentsspende steht ein Mensch mit eigener Geschichte und eigenen Wünschen. Wir wollen nicht bedrängen, sondern Wege aufzeigen. Engagiert sich etwa eine Person bei mehreren Hilfswerken, fragt sie sich vielleicht, wofür ihr Herz besonders schlägt und wen sie mit einem Vermächtnis oder einer Erbschaft unterstützen möchte. Manch einer hat mehrere Eisen im Feuer und möchte den Nachlass eher streuen. Die katholischen Hilfswerke bieten da ein breites Spektrum.

Frage: Wie verteilen Sie das eingehende Geld untereinander?

Thiem: Wir verteilen gar nichts. Wer etwas gemeinnützig hinterlassen möchte, benennt ein konkretes Hilfswerk, nicht unsere Erbschaftsinitiative. Damit ist auch klar, was die Person will. Die Erbschaftsinitiative organisiert lediglich die gemeinsamen Veranstaltungen zum Thema. In den persönlichen Einladungen dazu erscheinen die Hilfswerke zusammen im Briefkopf; Einladender ist aber der jeweilige Leiter eines Hilfswerks, das mit der Spenderin oder dem Spender bereits im Kontakt steht. Und wer im Zuge dieser Einladung eine Erbschaftsbroschüre bestellt, bekommt diese auch von dem entsprechenden Hilfswerk.

Es geht uns ganz praktisch um allgemeine Hinweise zur Nachlassgestaltung, etwa zur gesetzlichen Erbfolge und zur generellen Bedeutung eines Testaments. Viele empfinden diese Infos als wertvollen Service, denn häufig schätzt der Laie Dinge völlig anders ein, als juristische Sachverhalte tatsächlich sind.

Zitat: Daniel Thiem

Frage: Sie haben die erbrechtlichen Info-Veranstaltungen angesprochen. Worum geht es da genau?

Thiem: Es geht uns ganz praktisch um allgemeine Hinweise zur Nachlassgestaltung, etwa zur gesetzlichen Erbfolge und zur generellen Bedeutung eines Testaments. Viele empfinden diese Infos als wertvollen Service, denn häufig schätzt der Laie Dinge völlig anders ein, als juristische Sachverhalte tatsächlich sind. Manchen wird dann erst bewusst, dass sie ein Testament verfassen sollten. Die Gäste bekommen Tipps, was sie inhaltlich und formell beachten müssten, wenn sie ein Testament selbst formulieren oder zum Notar gehen. Das gemeinnützige Vererben streifen wir nur am Rand.

Frage: Welche Fallstricke und Denkfehler beobachten Sie beim Thema Erbschaft?

Thiem: Ein Klassiker ist die gesetzliche Erbfolge. Wenn bei einem kinderlosen Paar, das kein Testament verfasst hat, der Ehemann stirbt und dessen 90-jährige Mutter noch lebt, dann bildet die Witwe unvermutet eine Erbengemeinschaft mit der Mutter des Verstorbenen. Die meisten denken, dass die hinterbliebene Ehefrau die Alleinerbin ist. An diesem Beispiel merken viele plötzlich, dass sie doch ein Testament machen sollten...

Frage: Wie sprechen Sie in Zeiten von Corona künftige Erblasser an?

Thiem: Interessanterweise meldeten sich verstärkt Menschen bei den Hilfswerken. Leider konnten wir seit März keine Präsenzveranstaltungen durchführen. Wir bieten aber Internetvorträge an, die wir live aufzeichnen. Zunächst waren wir skeptisch und hatten die Sorge, ob das gerade in dieser Corona-Zeit – mit der besonderen Gefährdung älterer Menschen – nicht falsch verstanden werden könnte, wenn wir nun auf diesem Weg mit unserem erbrechtlichen Info-Angebot um die Ecke kommen. Aber wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht und werden im Herbst fortfahren – online und erneut vor Ort.

Frage: Welche Menschen kommen zu Ihren Veranstaltungen, und warum ist es ihnen wichtig, auch über ihren Tod hinaus zu helfen?

Thiem: Meine Kolleginnen und Kollegen in den Hilfswerken, die erste Ansprechpartner sind, beobachten oft Verbindungen zwischen der Lebensgeschichte einer Person und ihrer Testamentsgestaltung: Menschen möchten das, was sie in ihrem eigenen Leben an Hilfe und Nächstenliebe erfahren haben, über ihr Leben hinaus weiter wirken und auch anderen zugute kommen lassen. Das berührt mich sehr.

Von Angelika Prauß (KNA)

Weitere Informationen

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