Schönborn: Priester müssen zu Gläubigen auf- und nicht herabschauen
Kardinal sieht sich trotz Vorwurfs liberaler Positionen "fest im Glauben"

Schönborn: Priester müssen zu Gläubigen auf- und nicht herabschauen

"Gott hat uns den priesterlichen Dienst trotz unserer Armseligkeit anvertraut, nicht weil wir so gut sind...": Christoph Schönborn hat zu seinem 25. Jubiläum als Erzbischof einen Appell an seine Priester – und ein Augenzwinkern für seine Kritiker.

Wien - 15.09.2020

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat Priester der Erzdiözese aufgerufen, "zu den Gläubigen aufzuschauen und nicht auf sie herabzuschauen". Zudem legte er ihnen ein geistliches Leben ans Herz, das im dichten priesterlichen Alltag nur allzu leicht zu kurz komme, sagte Schönborn am Montagabend in Wien. "Gott hat uns den priesterlichen Dienst trotz unserer Armseligkeit anvertraut, nicht weil wir so gut sind, sondern weil er so gut ist." Schönborn äußerte sich in der Chrisammesse im Stephansdom anlässlich seines Amtsjubiläums zu 25 Jahren Erzbischof von Wien.

Keine Erfahrung als Pfarrer

Mit Blick auf seine Zeit als Bischof - Schönborn war bereits vier Jahre Weihbischof in Wien, bevor er sein Amt als Erzbischof antrat - sagte der Kardinal, dass er keine Erfahrung als Pfarrer gehabt habe. Er wolle allen danken, "dass ihr das ertragen habt". Umso wunderbarer habe er erlebt, als Bischof in der Nachfolge der Apostel zu stehen und den gleichen Glauben zu verkünden. In der Familie Schönborn dürfte das Bischofsamt auch genetisch verankert sein, fügte Schönborn hinzu: Er sei schon der achte Bischof in der Familiengeschichte. In Anspielung darauf, dass ihm von manchen Seiten in den zuletzt vergangenen Jahren liberalere Positionen als früher nachgesagt würden, zeigte sich der Kardinal hoffnungsvoll, dass er immer noch fest im Glauben stehe. Die Erfahrung des Lebens zeige: "Wenn du fest im Glauben stehst, dann kannst du ein weites Herz haben."

Am 14. September 1995 trat der damals 50-jährige Schönborn sein Amt in Österreichs größter Diözese an, in das ihn Papst Johannes Paul II. berief; 1998 folgte die Erhebung zum Kardinal. Bei den Papstwahlen 2005 und 2013 galt Schönborn als papabile, also als möglicher Kandidat für das Papstamt. Den Vorsitz der Österreichischen Bischofskonferenz gab Schönborn, der in den vergangenen Jahren mehrere schwere Krankheiten überstehen musste, im Juni nach 22 Jahren ab. Sein Nachfolger wurde der Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Der 64-Jährige war schon in den vergangenen fünf Jahren Schönborns Stellvertreter in der Bischofskonferenz gewesen. Mit Erreichen der für Bischöfe geltenden Altersgrenze von 75 Jahren am 22. Januar bot der Kardinal dem Papst auch seinen Rücktritt als Wiener Erzbischof an, bleibt aber bis zur Bestellung eines Nachfolgers im Amt.

Statt einer eigenen Feier wurde bei der Chrisammesse im Stephansdom an Schönborns Jubiläum erinnert. Die sonst in der Karwoche stattfindende Messe, bei der die Heiligen Öle für Priester- und Diakonweihen, Taufen, Firmungen und die Krankensalbung geweiht werden, war wegen Corona verschoben worden. (tmg/KNA)