Erzbischof Schick verurteilt Politik, die "Islam zum Feindbild" macht
Muslimischer Glaube sei vereinbar mit Demokratie

Erzbischof Schick verurteilt Politik, die "Islam zum Feindbild" macht

Mit Hassreden gegen Muslime Wählerstimmen sammeln? Was für populistische Parteien kein Problem zu sein scheint, verurteilt Erzbischof Ludwig Schick scharf. Der Islam dürfe nicht zum "Feindbild" stilisiert werden, warnt der Weltkirche-Bischof.

Bamberg - 17.09.2020

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich dagegen ausgesprochen, "den Islam zum Feindbild zu machen", um damit Politik zu betreiben. "Wer Ängste und Hass in Wählerstimmen ummünzen will, der sät nicht nur Feindschaft zwischen den Menschen, sondern untergräbt auch den freiheitlichen Rechtsstaat", schreibt Schick in einem Buchbeitrag, wie das Erzbistum Bamberg am Donnerstag mitteilte. Er erlebe mit großer Sorge, wie die Saat des Hasses Früchte trage und sich die Bereitschaft zur Gewalt ausbreite, so der Bamberger Oberhirte in seinem Text für das Buch "Toleranz – Schaffen wird das?". 

Zwar müssten Sorgen und Ängste ernstgenommen werden, die aus freiheitsfeindlichen oder gewaltaffinen Deutungen des Islam erwachsen, so Schick weiter. "Wer jedoch die Vielfalt im Islam leugnet" und ihn mit extremistischen Ideologien gleichsetze, dem müssten "Staat, Gesellschaft und Kirchen" entschieden entgegentreten. Muslimen dürfe das Recht auf Religionsfreiheit nicht abgesprochen werden; diese Überzeugung teile auch die Kirche. Damit würden Konflikte einhergehen, die eine pluralisierende Gesellschaft aushalten müsse. "Dabei kommt es aber immer darauf an, dass Kritik nicht zur Hetze ausartet und Konflikte nicht auf der Straße, sondern vor Gericht entschieden werden." Zudem verteidigte der Erzbischof den Islam gegen den pauschalen Vorwurf, er sei nicht mit der Demokratie vereinbar. Diese Annahmen seien "eher theoretischer als praktischer Natur", da das islamische Recht von Muslimen verlange, außerhalb der islamischen Welt die dortigen Rechtsordnungen zu akzeptieren. 

Die katholische Kirche bekenne sich zum interreligiösen Dialog, auch wenn sie damit bei manchen Christen auf Widerspruch stoße, "die den Verkündigungsauftrag auch als Auftrag zum Schutz vor religiöser Pluralisierung missverstehen", schreibt Schick. Der Dialog mit dem Islam befinde sich derzeit in einer schwierigen Phase; es werde klar, dass das gegenseitige Gespräch kein Allheilmittel sei: Die Welt sei voller Konflikte, die sich durch den Dialog der Religionen nicht lösen lassen. "Er muss deshalb von Erwartungen befreit werden, die er nicht erfüllen kann." Dies dürfe aber nicht entmutigen, sondern solle zu neuen Anstrengungen aufrufen, so Schick, der in der Deutschen Bischofskonferenz die Kommission Weltkirche leitet. (rom)