Gott* mit Gender-Stern – eine Kampagne der KSJ
"Wir wollen bewusst irritieren und herausfordern"

"Gott*" mit Genderstern: Katholischer Schülerverband verteidigt Kampagne

Zuspruch und Kritik erntet die KSJ für ihr Vorhaben, "Gott*" mit einem Genderstern zu schreiben. Jetzt äußerte sich sogar die AfD und sprach von der "Zeitgeistversessenheit der Kirche" und "einseitig linker Politik". Die KSJ verteidigt ihre Kampagne.

Hamburg - 18.09.2020

Anna-Sophia Kleine, Theologische Assistentin im Bundesamt der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ), hat die Kampagne ihres Verbandes verteidigt, Gott mit Gendersternchen zu schreiben. "Wir wollen bewusst irritieren und herausfordern. Menschen sollen sich Gedanken darüber machen, was und wer Gott ist. Das Sternchen zeigt: Gott* ist so viel mehr, als man denken und beschreiben kann", sagte sie gegenüber Zeit Campus online.

Für die Aktion habe es viel Zustimmung gegeben, sagte sie. "Klar, manche sagen, wir würden vor dem Zeitgeist einknicken und einem Genderwahn zum Opfer fallen. Aber mehrheitlich haben wir positives Feedback bekommen." Es sei schräg, Gott auf ein Geschlecht zu reduzieren. Das widerspreche auch dem christlichen Glauben. "Und Gott Sternchen nimmt ja niemandem was weg. Wer Gott als Vater fühlt und meint, kann das ja weiterhin tun. Es geht nur darum, zu sagen: Gott* ist eben nicht nur Vater, nur Mann, sondern genauso sehr Frau und Mutter."

Zuspruch und Kritik

Die Haltung ihres Verbandes zur Kirche beschrieb sie als "kritische Loyalität": "Wir sind noch da, weil wir an diese Kirche glauben, aber wir wollen gleichzeitig, dass sich vieles verändert." Das gelte etwa auch für die Frage der Weiheämter für Frauen: "Wenn wir einsehen, dass der zentralste Punkt unseres Glaubens, nämlich Gott, von patriarchalen Strukturen beeinflusst wurde, dann verstehen wir, dass viele andere Aspekte unserer Kirche auch nur so sind, wie sie sind, weil sie durch ein männliches Dominanzdenken geprägt wurden." Konkret heiße das: "Auch die Rolle von Frauen in der Kirche muss überdacht werden. Wir Menschen haben unserem Glauben Masken übergestülpt und die müssen weg."

Zur Kampagne hatte es sowohl zustimmende als kritische Wortmeldungen gegeben. Die Theologin Agnes Wuckelt begrüßte das Vorhaben. Der nicht gesprochene Genderstern sei dafür geeignet, "dass ich mir über das Gottesbild und meine Gottesvorstellungen Gedanken mache", so Wuckelt. Dagegen kritisierte die Theologin Margit Eckholt den KSJ-Vorstoß und forderte, an dem Wort "Gott" festzuhalten. Zwar seien in der Kunst Bilder von Gott als altem, weißen Mann zu finden, sagte sie katholisch.de. Ein solches Bild werde aber in gegenwärtigen Auslegungen der biblischen Texte sowie Predigten nicht mehr vermittelt. Der kirchenpolitische Sprecher der AfD im baden-württembergischen Landtag, Daniel Rottmann, hält die Diskussion um die Schreibung von "Gott*" für absurd. Es sei Unsinn, wegen der Debatte zum dritten Geschlecht Gott neu zu denken, so Rottmann am Freitag. Dass darüber gesprochen werde, zeige "die Zeitgeistversessenheit der Kirche" und dass sie "einseitig linke Politik" mache. (tmg/KNA)

Korrektur, 19. September 2020, 10.45 Uhr: In der ursprünglichen Agenturmeldung wurde Anna-Sophia Kleine als "Diözesanleiterin der KSJ Paderborn" vorgestellt. Richtig ist Theologische Assistentin im KSJ-Bundesamt.