Demonstranten gingen gegen Abtreibung und assistierten Suizid auf die Straße

Rund 3.000 Teilnehmer beim "Marsch für das Leben" in Berlin

Aktualisiert am 19.09.2020  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Erneut fanden sich mehrere tausend Menschen in Berlin zusammen, um beim "Marsch für das Leben" ein Zeichen für den Schutz des Lebens zu setzen. Dieses Jahr stand er besonders unter dem Eindruck des Verfassungsgerichtsurteils zum assistierten Suizid.

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Mehr als 3.000 Demonstranten haben nach Angaben der Organisatoren am Samstag beim 16. "Marsch für das Leben" im Zentrum Berlins gegen Abtreibung und aktive Sterbehilfe protestiert. Veranstalter war der Bundesverband Lebensrecht (BVL), ein Zusammenschluss von zwölf Organisationen. Laut Polizei lag die Teilnehmerzahl "im unteren vierstelligen Bereich".

Wegen der Corona-Krise kamen nach Einschätzung der Veranstalter weniger Teilnehmer als 2019, als sie nach eigenen Zählungen über 8.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland hatten. Deshalb wurde die Kundgebung unter anderem im Internet live übertragen. Während der Veranstaltung galt Maskenpflicht; die Teilnehmer wurden dazu angehalten, Abstand zu halten.

Bundesweit größte Kundgebung für den Schutz des Lebens

Ungeachtet dessen ist der jährliche Marsch nach BVL-Angaben die bundesweit größte Kundgebung für den Schutz des Lebens. Dagegen gab es erneut Protestveranstaltungen, die unter anderem von SPD, Linken und Grünen unterstützt wurden. Sie hatten nach Schätzung der Polizei bis zu 1.000 Teilnehmende, die etwa eine unbeschränkte Freigabe von Schwangerschaftsabbrüchen forderten. Die Polizei setzte rund 900 Beamte zur Sicherung beider Kundgebungen ein.

Beim Auftakt vor dem Brandenburger Tor stimmten die Teilnehmer des Marsches Forderungen per Applaus zu, die der BVL formuliert hatte. Sie wandten sich gegen Euthanasie und assistierte Selbsttötung sowie gegen Präimplantationsdiagnostik und pränatale Bluttests. Stattdessen müsse das Embryonenschutzgesetz erhalten bleiben. Zudem verurteilten sie Leihmutterschaft und eine "weitere Legalisierung und Verharmlosung der Abtreibung". Auch wandten sie sich gegen eine "Verwendung von Zellen abgetriebener Kinder bei der Impfstoffherstellung".

Unter den Teilnehmern waren die katholischen Bischöfe Wolfgang Ipolt (Görlitz) und Rudolf Voderholzer (Regensburg) sowie Weihbischof Florian Wörner (Augsburg). Evangelische Bischöfe nahmen nicht am Marsch teil.

Koch: Lebensrecht "vom ersten Augenblick im Mutterleib bis zum letzten Atemzug"

Den Abschlussgottesdienst hielt der Berliner Erzbischof Heiner Koch. In seiner Predigt hob er das Lebensrecht jedes Menschen "vom ersten Augenblick im Mutterleib bis zum letzten Atemzug" hervor. Wer dies missachte, sehe aus der Geschichte, welche Folgen es habe.

Vor dem Schweigemarsch über eine Strecke von drei Kilometer würdigte der frühere Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer die Lebensschutzbewegung als "große Bürgerinitiative". Sie verurteile Frauen in Notlagen nicht, sondern wolle ihnen helfen. Der CSU-Politiker betonte, der Schutz der Schöpfung dürfe "das ungeborene Leben nicht ausschließen".

Der frühere Leiter der Evangelisationsbewegung ProChrist, Ulrich Parzany, wertete die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Februar, dass ein Verbot geschäftsmäßiger Suizidbeihilfe gegen das Grundgesetz verstößt, als "Dammbruch". Zudem kritisierte er Hannovers evangelischen Landesbischof Ralf Meister, der für ein Recht auf Selbsttötung plädiert hatte und auch entsprechende Beihilfe zum Suizid in kirchlichen Einrichtungen für zulässig hält. (mal/KNA)