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Standpunkt

Ein Machtverzicht befreit zu neuer Macht

In allen Organisationen geht es um Macht, ausgesprochen oder unausgesprochen. In der katholischen Kirche seit mehr als 2.000 Jahren. Doch ein Verzicht auf sie kann ein Gewinn sein, kommentiert Albrecht von Croy – gerade beim Synodalen Weg.

Von Albrecht von Croy |  Bonn - 21.09.2020

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Macht ist nichts Schlechtes, Macht verändert die Welt auch zum Guten. In allen Organisationen geht es also um Macht, ausgesprochen oder unausgesprochen wie meist etwa in der katholischen Kirche. Überraschend genug: Eben dies ändert sich gerade. Zwei eher untergegangene Äußerungen von Amtsträgern aus den letzten Wochen dazu haben aufhorchen lassen. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat Priester seiner Erzdiözese aufgerufen, "zu den Gläubigen aufzuschauen und nicht auf sie herabzuschauen". "Gott hat uns den priesterlichen Dienst trotz unserer Armseligkeit anvertraut, nicht weil wir so gut sind, sondern weil er so gut ist."

Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz mahnt in einem bemerkenswert eindeutigen Aufsatz in der Wochenzeitung "Die Zeit" eine stärkere Teilung von Macht in der katholischen Kirche an. "Warum hält die Amtskirche immer noch an einer zentralistischen und absolutistischen Organisationsform fest, die nicht mehr funktioniert? Ihre vormoderne Verfassung erzeugt hierzulande viel Widerstand und Widerwillen." Diese Kirchenverfassung sei "archaisch autoritär" und "freiheitsfremd". Sie als Jesu Willen auszugeben bedeute, "die Leute für dumm zu verkaufen".

Starker Tobak! Und doch: Wer sein "(Glaubens-)Volk" verliert, hat meist ein falsches Machtverständnis. Wer "herabschaut", sieht sich als "Ober", der nach den Gesetzten der Macht "Unter" sticht. Wer "zentralistisch und absolutistisch" regiert, misstraut dem Willen und der Fähigkeit der Menschen, ein Gemeinwesen oder eine Organisation verantwortlich mitgestalten zu können. Mit zu Eltz gefragt: War das Jesu Wille, auf dem er seine Kirche baute? War Jesus "Freiheit fremd"? Wer "aufschaut", nimmt Maß nicht an sich, sondern an seinem "(Glaubens-)Volk", er wechselt die Perspektive und verzichtet auf eine Macht, die sich nur auf Status und Amts-Würde gründet. Wenn der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland einen ehrlichen Fortschritt will, so muss er mit einem Perspektiv-Wechsel, einem Machtverzicht einhergehen. Und zwar auf beiden Seiten! Nicht nur kirchliche Amtsträger, auch Funktionäre der Laienorganisationen gewinnen dadurch eine neue Macht: die Macht des Wortes, die Macht des Evangeliums, die Macht der Liebe Christi!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin".

Hinweis

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