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Standpunkt

Wie Weihnachten 2020 zum Symbol gegen Missbrauch werden kann

Schon jetzt fragen sich alle, wie man die Geburt Jesu in diesem Jahr trotz Corona würdig feiern kann, so Peter Otten. Er hat einen Vorschlag, der die Bischöfe und amtlichen Verantwortungsträger – die "Sterndeuter" unserer Tage – mit einschließt.

Von Peter Otten |  Bonn - 28.09.2020

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Jetzt reden alle über Weihnachten. Viele Verantwortliche in der Kirche fragen sich: Wie können wir unter Corona-Bedingungen feierlich und angemessen die Geburt Jesu feiern? Was könnte in diesem Jahr angesichts vermutlich leererer Kirchen und einer erwartbar ziemlich stillen Nacht der Kern der Weihnachtsbotschaft sein?

Eine Spur könnte die Geschichte der Sterndeuter legen. Matthäus erzählt ihren Kern so: "Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar."

Der atemberaubende Scoop von Weihnachten lautet ja: Im Kind wird die Göttlichkeit ganz und gar offenbar. Und wenn das stimmt und nicht nur fromme Predigt ist – wie könnten Niederfallen und Huldigen in diesem Jahr aussehen?

Warum nicht so, dass sich die Sterndeuter unserer Tage – die Bischöfe und amtlichen Verantwortungsträger, die in den Verbrechen sexualisierter Gewalt an unzähligen Kindern ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind – endlich aufraffen. Sie könnten Weihnachten vor der Krippe niederfallen und dem göttlichen Kind huldigen. Und zwar so: "Ja, ich wars. Ich hätte Verantwortung tragen müssen und habe es nicht getan." Und dann könnten jeder das, was er hinzulegen hat hinlegen. Und sagen: "Mit Gold und Geld will ich das unermessliche Leid, dass die Kinder und Jugendlichen erfahren haben wieder gut machen. Wie Jesus will ich jeden Überlebenden und jede Überlebende fragen: Was kann ich dir tun? Ich werde ihre Antwort hören und ohne zu zögern entsprechend handeln."

Was für ein Weihnachten wäre das am Ende dieses seltsamen Jahres. Christinnen und Christen glauben doch, dass sich im Kind in der Krippe – und damit in jedem Kind, das zur Welt kommt – Gottes Herrlichkeit zeigt. Oder? Sie glauben weiter, dass mit der Geburt des Christuskindes das Heil unumkehrbar die Welt verwandelt. Etwa nicht? Und sie vertrauen darauf, dass diese Wirklichkeit ihr Leben trägt. Wenn das nicht nur Gerede ist sondern wirklich die frohe Weihnachtsbotschaft: Welchen Grund zu zögern gibt es dann?

Von Peter Otten

Der Autor

Peter Otten ist Pastoralreferent in der Pfarrgemeinde St. Agnes in Köln. Seit einigen Jahren bloggt er unter www.theosalon.de.

Hinweis

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