Kardinal Baldisseri raus: Nur noch 120 Papstwähler
Ex-Generalsekretär der Bischofssynode vollendet 80. Lebensjahr

Kardinal Baldisseri raus: Nur noch 120 Papstwähler

Nach dem Verzicht von Giovanni Angelo Becciu auf seine Kardinalsrechte und -privilegien sinkt die Zahl der Papstwähler weiter: Mit der Vollendung des 80. Lebensjahrs scheidet auch der Ex-Generalsekretär der Bischofssynode, Lorenzo Baldisseri, aus.

Vatikanstadt - 29.09.2020

Der italienische Kardinal Lorenzo Baldisseri hat am Dienstag das 80. Lebensjahr vollendet. Mit Erreichen dieser Altersgrenze scheidet er aus dem Kreis der Papstwähler aus. Damit sind noch 120 der insgesamt 219 Kardinäle der Weltkirche in einem möglichen Konklave stimmberechtigt. Baldisseri war bis Mitte September Generalsekretär der Bischofssynode; Nachfolger wurde der maltesische Bischof Mario Grech (63).

Die Bischofssynode, ein Beratungsorgan des Papstes, das in Abständen zu mehrwöchigen Sitzungen in Rom zusammentrifft, erlebte unter Franziskus und Baldisseri etliche Veränderungen. So wurden zunächst bei den Familiensynoden 2014/2015 die Vorbereitungen dadurch erweitert, dass die geladenen Bischöfe in ihren Gemeinden und betroffenen Gruppen über Fragebögen deren Anliegen erheben sollten. Vor der Jugendsynode 2018 gab es in Rom ein Seminar mit externen Fachleuten und einigen jungen Menschen. Zudem fand erstmals ein vorsynodales Treffen von gut 300 internationalen jugendlichen Delegierten, darunter etlichen Nichtkatholiken, statt. Basierend auch auf diesen Erfahrungen erließ der Papst im Herbst 2018 eine neue Synodenordnung. Diese weitet die Vor- wie die Nachbereitung der eigentlichen Bischofstreffen aus und beteiligt dabei auch Nichtkleriker. Auch die Organisation der Amazonassynode vor einem Jahr oblag dem von Baldisseri geleiteten Synoden-Sekretariat.

Steiler Aufstieg unter Benedikt XVI. und Franziskus

Baldisseri, 1940 in Barga bei Lucca geboren, wurde 1963 zum Priester geweiht. Nach einer Ausbildung im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls vertrat er den Papst unter anderem in Paraguay, Indien und Brasilien. Benedikt XVI. ernannte ihn 2012 zum Sekretär der Bischofskongregation. Anfang März 2013 wurde Baldisseri Sekretär des Kardinalskollegiums und war als solcher für die organisatorische Vorbereitung und Durchführung der Kardinalsversammlung zuständig, des sogenannten Konsistoriums. Zugleich war er damit Sekretär bei der Papstwahl. Papst Franziskus ernannte Baldisseri 2013 zum Generalsekretär der Bischofssynode und 2014 zum Kardinal. Baldisseri ist zudem ausgebildeter Konzertpianist. Er gab etliche Konzerte und nahm mehrere CD auf. Als junger Theologe studierte er auch am Konservatorium in Lucca Gesang und Klavier.

Ein Kardinal ist der höchste katholische Würdenträger nach dem Papst, das Kardinalskollegium das wichtigste Beratergremium des Kirchenoberhaupts, welches auch die Aufgabe hat, für die Papstwahl zu sorgen. Der Pontifex bestimmt die Kardinäle frei. Kreiert werden sie durch ein Dekret des Papstes, das er bei einem Konsistorium verkündet. In der Vergangenheit bestand das Kardinalskollegium mehrheitlich aus Europäern, mit einem sehr großen Anteil an Italienern. Verstärkt seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) vollzieht sich eine Internationalisierung. Zuletzt waren der niederländische Kardinal und frühere Erzbischof von Utrecht, Adrianus Simonis, und der polnisch-ukrainische Kardinal Marian Jaworski gestorben sowie Kurienkardinal Giovanni Angelo Becciu zurückgetreten. (tmg/KNA)