So kann das Martinsfest trotz Corona gefeiert werden
Viele Umzüge wurden schon abgesagt

So kann das Martinsfest trotz Corona gefeiert werden

Sankt Martin ist besonders bei Kindern sehr beliebt, egal ob wegen der Lieder, der Lichter oder der Süßigkeiten. Doch in diesem Jahr ist durch Corona alles anders, viele Umzüge wurden schon abgesagt. Es gibt aber verschiedene Ansätze, wie das Martinsfest trotzdem nicht ausfallen muss.

Von Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 27.10.2020

Der als römischer Soldat verkleidete Mann reitet auf seinem Schimmel an den Kindern mit den vielen Laternen vorbei, die gerade Martinslieder singend durch den ganzen Ort gezogen sind. Er erzählt den ihn gebannt anschauenden kleinen Christen aus Kindergarten und Grundschule seine Geschichte, bevor es für alle Weckmänner oder – je nach regionalen Vorlieben – "Martinsbrezeln" gibt. Danach schwärmen die Kinder aus, singen an den Häusern Martinslieder und stauben dafür zum Teil enorme Mengen an Süßigkeiten ab. Sankt Martin ist vor allem für Kinder sicher eines der bildhaftesten und sinnlichsten Feste, die das Kirchenjahr zu bieten hat. Umso einschneidender macht sich hier die Corona-Pandemie bemerkbar: Einige Martinszüge wurden schon abgesagt, andernorts wird noch darum gerungen, in welcher Form gefeiert werden kann. Sicher ist: Kleine Kinder zum Abstandhalten zu bewegen, ist schwer – und Laternenumzüge wie auch Martinsfeuer laden gerade dazu ein, dass alle Kinder dieses Ereignis dicht an dicht zusammen erleben wollen.

Es geht also nun darum, verkleinerte oder alternative Möglichkeiten zu finden, wie Sankt Martin gefeiert werden kann. Einerseits steht fest, dass riesige Umzüge, das Klingeln an vielen Häusertüren- oder das Verteilen von Weckmännern in die Menge der Kinder nicht gehen. Andererseits sind die Hygienebestimmungen oft uneinheitlich, etwa was die Zahl der Zugteilnehmer betrifft und wie sie sich vorher anmelden und registrieren müssen.

Klar ist aber auch: Das Martinsfest als Brauchtum ist nicht nur für Kinder wichtig. Rituale geben Menschen Struktur und Orientierung, das gilt für alle Altersklassen. Allerdings lernen vor allem Kinder durch Bräuche die Funktionsweise von Gesellschaft. Zudem ist gerade in wirtschaftlich unruhigen Zeiten wie der Corona-Krise die Botschaft des Heiligen Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat, hochaktuell.

Martinsweg und Lichter teilen

Hindernisse wie Relevanz des Martinsfestes waren unterschiedlichen Stellen deutschlandweit wohl bewusst, denn es gibt bereits einige Konzepte, wie die Zeit um den Martinstag am 11. November unter Pandemiebedingungen aussehen kann. Recht nahe am klassischen Martinszug ist etwa die Idee, den heiligen Martin mit kleinem Gefolge durch die Straßen reiten zu lassen. Kinder könnten sich mit ihren Fackeln an die Straße oder ans Fenster stellen. Weckmänner gäbe es dann jeweils in den Gruppen oder Klassen.

Drei Kinder mit Laternen auf Stöcken schauen nach unten in die Kamera
Bild: © KNA

Der Klassiker wird dieses Jahr schwierig: Martinszüge und das anschließende Singen-gehen mögen viele Kinder.

Aus dem Bistum Münster kommt dagegen die Idee, dass Anwohner am Abend des 11. November leuchtende Laternen in die Fenster stellen. Dazu wurden auch schon Gebete formuliert, die in der Familie gesprochen werden können.

Laternen in die Fester stellen

In diese Richtung geht auch die Martinsaktion des Kindermissionswerks "Die Sternsinger": Kinder in Kindergarten oder Grundschule sollen zwei Fackeln basteln, eine für sich selbst und eine für ihnen nahestehenden Menschen, etwa die Großeltern oder Freunde der Familie. Ihnen bringen sie die Laterne dann am Martinstag nach Hause.

In der Gruppe können Kinder ebenso eine Fackel etwa für ein Pflegeheim basteln. Das Licht wird dann zeitlich so übergeben, dass die Bewohner von der Straße oder den Fenstern aus zuschauen können. "Teile dein Licht!" heißt die Aktion des Hilfswerks. In eine ähnliche Richtung geht ein Vorschlag aus dem Erzbistum Köln: Dort können für Kindergruppen Lichttüten bestellt werden, von denen jedes Kind zwei bekommt; eine für sich, eine zum Weiterverschenken. Zudem können diese Tüten nach Lust und Laune bemalt werden.

Wo es keinen Martinszug gibt, muss die Laterne aber auch nicht nur im Fenster stehen. Im Bistum Limburg wurden Ideen für spielerische und bewegungsreiche Feiern entwickelt. So gibt es zum bekannten Lied "Tragt in die Welt nun ein Licht" einen eigenen "Lichtertanz" oder sogenannte Rhythmicals, in denen die Kinder Verse sprechen und dabei stampfen und klatschen.

Digitale Lösung?

Zu weiteren Ansätzen aus Limburg gehört etwa, Kinder in ihren Gruppen Bilder malen oder Skulpturen fertigen zu lassen, die dann in der Kirche als ein "Martinszug in der Kirche" aufgestellt und dort abgelaufen werden kann. Am Ende erwartet die Kinder ein Korb mit abgepackten Brezeln im Zweierpack – zum Teilen. Außerdem kann der Martinsweg durch mitgebrachte Lichter nach draußen hin durch die Kinder erweitert werden.

Weiterhin könnte der diesjährige Martinszug als eine Art Schnitzeljagd gestaltet werden, bei der sich Kinder mit ihren Eltern oder in kleinen Gruppen individuell anhand von in der Nachbarschaft platzierten Hinweisen auf die Suche nach dem heiligen Martin machen. Verbunden wird das mit einem Quiz.

Ein wichtiger Helfer könnte auch zu diesem Anlass die Digitalisierung sein. So können etwa unter dem Hashtag #stmartin2020 Bilder und Videos geteilt und so vernetzt werden. Motive könnten Laternen, Feiern in Familie, Schule oder Kindergarten, die erleuchteten Straßen oder eine Schnitzeljagd sein. Beispielsweise das Erzbistum Köln will Posts unter diesem Hashtag auf einer Social Wall sammeln.

Bei vielen Aktionen steht das Thema des Teilens – ob etwa von Licht oder Weckmännern beziehungsweise Brezeln – im Vordergrund. Kinder sind, vielmehr als Erwachsene, sehr kreativ darin, neue Rituale zu verinnerlichen und zu entwickeln. Durch neue Formen symbolischen Handelns können sie relativ leicht an die Botschaft des Martinsfestes herangeführt werden. An Inspiration, wie das unter den aktuellen Umständen gelingen kann, mangelt es jedenfalls nicht.

Von Christoph Paul Hartmann