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Standpunkt

Bischöfe, lest Bücher von Frauen – und anderen "Minderheiten"!

Dass Bischöfe und andere Kirchenvertreter abfällig über bestimmte Gruppen sprechen, schmerzt Agathe Lukassek – unter anderem auch, wenn über Frauen gesprochen wird. Sie findet: Das darf im Jahr 2020 nicht mehr passieren – und kennt einen Ausweg.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 16.10.2020

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Als gläubige Katholikin schmerzen mich immer wieder Aussagen von Bischöfen oder anderen Kirchenvertretern. Etwa, wenn abfällig über Menschen gesprochen wird, die gleichgeschlechtlich lieben, oder wenn gefällig von oben herab über arme, geflüchtete oder behinderte Menschen gesprochen wird, als wären sie die Hilfsbedürftigen und nicht auch Teil der Kirche. Ganz abstrus wird es für mich als Frau, wenn ich sehe, wie vor allem Bischöfe über "die Frauenfrage" sprechen. Wenn man "sich annähern" wolle und "den Frauen zuhören", dann klingt das für mich, als würde über Außerirdische gesprochen und nicht über die Hälfte der Menschheit. Das lässt mich manchmal daran zweifeln, ob die Kirche wie der Rest von uns seit nunmehr 20 Jahren im 21. Jahrhundert lebt.

Zwei aktuelle Beispiele: In seinem neuen Buch "Freiheit" zitiert Kardinal Reinhard Marx keine einzige Frau, nicht einmal eine Heilige. Kardinal Marx, unter dessen Vorsitz die Deutsche Bischofskonferenz eine Art Frauenquote für Führungspositionen eingeführt hat. Auch in der neuesten Enzyklika von Papst Franziskus mit knapp 300 Fußnoten findet sich keine Autorin. Dabei tritt der Papst im Lehrscheiben selbst für die Frauenrechte in der Welt ein. Was eigentlich im Jahr 2020 nicht mehr passieren dürfte, passiert in der Kirche eben doch.

Doch es gibt einen Ausweg: Nach der #MeToo-Debatte in den vergangenen Jahren hat in diesem Sommer die "Black Lives Matter"-Bewegung viele Menschen sensibilisiert für das strukturelle am Sexismus und am Rassismus. Bücher wie "Exit Racism" von Tupoka Ogette und "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" von Alice Hasters stiegen auf die Bestsellerlisten. Nicht wenige fingen an, das Thema Rassismus so anzugehen wie den Umgang mit dem Coronavirus: "Ich nehme an, es ist in mir – ich höre auf Experten – ich verbreite es nicht – ich will mein Verhalten ändern, um es zu besiegen." Für viele ein schmerzhafter, aber wichtiger Weg.

Ich wünsche mir, dass auch die Bischöfe diesen Weg gehen – beim Thema Rassismus in Deutschland genauso wie beim Thema Frau. Bitte, lest Bücher von Frauen, merkt euch ihre Namen, sprecht über das Gelernte und zitiert sie in euren Publikationen. Am Anfang scheint es noch schwer und ungewohnt zu sein, nach kurzer Zeit wird es aber leicht und fühlt sich ganz normal an. So normal, dass einem auffällt, wenn die Stimmen von Frauen in einer Publikation fehlen.

Von Agathe Lukassek

Die Autorin

Agathe Lukassek ist Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Hildegardis-Verein mit Sitz in Bonn.

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