Du gehörst mir
Schwester Regina Greefrath über das Sonntagsevangelium

Du gehörst mir

Ausgelegt! - Die Münze mit dem eingeprägten Bild des Kaisers gehört dem Kaiser, also soll er sie zurückerhalten – klare Sache. Aber was bedeutet es, Gott zu geben, was Gott gehört? Schwester Regina Greefrath geht dieser Frage mit ihrem ganzen Leben nach...

Von Sr. Regina Greefrath CSA |  Essen - 17.10.2020

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Impuls von Schwester Regina Greefrath

"Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?" Mit dieser Frage glauben die Pharisäer, Jesus eine Falle zu stellen. Doch Jesus sagt nicht, wie erwartet, ja oder nein, outet sich also weder als Unterstützer des Kaisers noch als Rebell, sondern er antwortet mit der Aufforderung: "So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!" So haben die Pharisäer nichts gegen ihn in der Hand.

"Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört." Das ist unmissverständlich. Die Münze trägt das Bild des Kaisers, sie gehört also dem Kaiser, so soll er sie zurückerhalten. Und Gott? Was gehört denn Gott?

Einen Hinweis darauf gibt die erste Lesung: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen." (Jes 45,4) – an anderer Stelle ergänzt Jesaja noch: "Du gehörst mir" (Jes 43,1). Für uns Christen wird dies in der Taufe deutlich: Hier drückt uns Gott das Siegel des Heiligen Geistes auf (vgl. 2 Kor 1,22), wir werden also als Gott zugehörig gekennzeichnet. Was bedeutet das nun, zu Gott zu gehören und ihm das zurück zu geben, was seins ist?

Bildlich gesprochen könnte man sagen: Gott stattet uns für unser Leben mit einer Werkzeugkiste aus, mit den Gaben des Heiligen Geistes. Wir sollen Arbeiter im Weinberg des Herrn sein und die Gaben, die er uns geschenkt hat, für uns und andere sinnvoll einsetzen, um an seinem Reich weiterzubauen.

Konkret bedeutet das: Wir sollen das Evangelium verkünden und authentisch Zeugnis für unseren Glauben ablegen, wir sollen den Armen, Kranken und Schwachen zur Seite stehen und uns für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

Wir sollen Gott also nicht einfach die Werkzeugkiste zurückgeben, sondern das, was wir daraus gestaltet haben, ihm anvertrauen, damit er es vollende. Das ist die Berufung und Aufgabe der Christen.

Ich entdecke – auf mein Leben als Ordensfrau bezogen – in dieser Aussage auch eine Aufforderung zur Ganzhingabe, die sich auch in den drei Gelübden Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam ausdrückt. Gott geben, was ihm gehört – das ist Teil meiner Berufung. Alles, was ich bin und habe, mich selbst mit meinem ganzen Sein, mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinen Ecken und Kanten, mit meinen Gaben und meiner Persönlichkeit will ich IHM zur Verfügung stellen, damit er durch mich wirken kann.

Der heilige Ignatius von Loyola hat dies sehr treffend in einem Gebet zusammengefasst: "Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit. Nimm an mein Gedächtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen. Was ich habe und besitze, hast du mir geschenkt. Ich gebe es dir wieder ganz und gar zurück und überlasse alles dir, dass du es lenkst nach deinem Willen. Nur deine Liebe schenke mir mit deiner Gnade. Dann bin ich reich genug und suche nichts weiter."

So können wir die Aufforderung Jesu zum Anlass nehmen, unsere Werkzeugkiste hervorzuholen und zu schauen, wie wir die Werkzeuge darin sinnvoll einsetzen können.

Von Sr. Regina Greefrath CSA

Evangelium nach Matthäus (Mt 22, 15–21)

In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person.

Sag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Die Autorin

Schwester Regina Greefrath CSA gehört dem Orden der Augustiner-Chorfrauen an. Sie unterrichtet am klostereigenen Gymnasium die Fächer katholische Religion und Spanisch und engagiert sich in der AG Berufungspastoral der Orden (AGBO).

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.