Bischof Jung: Momentan keine Einladung zur Mahlgemeinschaft möglich
Diözesanrat billigt Strukturreform – Bistum rechnet mit Finanzeinbußen

Bischof Jung: Momentan keine Einladung zur Mahlgemeinschaft möglich

"Kirchengemeinschaft geht Mahlgemeinschaft voraus" – daher sei eine Mahlgemeinschaft derzeit unmöglich, betonte Bischof Franz Jung gegenüber dem Würzburger Diözesanrat. Weitere Themen waren Entschädigungszahlungen und die Strukturreform des Bistums.

Würzburg - 18.10.2020

Der Würzburger Bischof Franz Jung sieht derzeit keine Chance auf eine Einladung zur Mahlgemeinschaft von Seiten der katholischen Kirche. "Kirchengemeinschaft geht Mahlgemeinschaft voraus", sagte Jung am Wochenende bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken in Würzburg mit Blick auf den geplanten Ökumenischen Kirchentag im kommenden Jahr. In der Ökumene gelte es, auf das zu schauen, was möglich sei, statt auf das, was nicht möglich sei, so der Bischof.

Jung würdigte vor dem obersten Laiengremium außerdem die Sozialenzyklika "Fratelli tutti" als "richtungsweisend für die gesamte Menschheitsfamilie". In dem Schreiben benenne Papst Franziskus zurecht unter anderem grenzenlosen Konsum, inhaltslosen Individualismus und Selbstherrlichkeit der Stärksten als Probleme der Gegenwart. Zugleich ermuntere der Papst dazu, den Wert der Solidarität zu erkennen, Völker- und Bürgerrechte zu stärken und Wege zu einer neuen Begegnung zu erschließen, so der Bischof.

Studie zu Umgang mit Misbrauch

Gegenüber dem Diözesanrat kündigte Jung zudem ein wissenschaftliche Studie über den Umgang von kirchlichen Verantwortlichen mit Missbrauchsfällen an. Dabei arbeite man mit der Universität Würzburg und Betroffenen zusammen. Angelegt sei das Vorhaben auf fünf Jahre. Jung ließ schon in den vergangenen Jahren Akten mit Blick auf Missbrauchs-Vorwürfe durchforsten.

Der Bischof wiederholte darüber hinaus die Ankündigung, dass das Bistum für die Zahlungen an Opfer sexualisierter Gewalt keine Kirchensteuermittel verwenden werde, sondern Geld aus dem Bischöflichen Stuhl. Von März 2011 bis September 2019 wurden insgesamt 113.000 Euro gezahlt. Diese gingen auf 24 entsprechende Anträge zurück. Bisher erhielten Opfer durchschnittlich 5.000 Euro, in Härtefällen auch mehr.

Panorama von Würzburg mit dem Kiliansdom im Mittelpunkt.

Panorama von Würzburg mit dem Kiliansdom im Mittelpunkt.

Weiter gab Jung bekannt, dass das Bistum angesichts der Corona-Krise mit etwa sieben Millionen Euro weniger Einnahmen im laufenden Jahr rechne. Auch für 2021 sehe die Tendenz nicht besser aus. Dennoch werde das Bistum in der Kise nach wie vor als sehr präsent wahrgenommen, sowohl durch die karitativen Anstrengungen als auch durch die Liturgie, etwa in Form von Livestreams.

Die anstehende Strukturreform im Bistum Würzburg wurde vom Diözesanrat gebillligt. Die neuen Pastoralen Räume sollen am kommenden Samstag offiziell von Bischof Franz Jung errichtet werden. Vorausgegangen war ein mehrere Jahre dauernder Prozess in der Diözese. Der Vorsitzende des obersten Laiengremiums, Michael Wolf, sagte bei der Herbstvollversammlung, "pastorale Räume müssen unabhängig von den Hauptamtlichen sein und auch einen Wechsel im oder des gesamten Leitungsteams überstehen". Auf jeder Ebene, auf der Hauptamtliche Entscheidungen träfen, brauche es einen demokratisch legitimierten Laienrat.

Kritik an "Türsteher"-Mentalität in der Kirche

Wolf kritisierte zudem die Mentalität, die heute in vielen Teilen der Kirche vorherrsche. Im Umgang mit Homosexuellen, Geschiedenen, Wiederverheirateten sowie der Frage nach der Priesterweihe für Frauen verstünden sich viele zu oft als Türsteher, anstatt das Feld für alle zu öffnen. Zum Synodalen Weg sagte der Diözesanratsvorsitzende, er sehe keine Gefahr, dass eine von einigen Synodalteilnehmern heraufbeschworene deutschen Nationalkirche entstehe. "Gerade wir Deutschen sind international sehr gut vernetzt, ein Ausbrechen aus diesen Netzen ist eher unwahrscheinlich."

Entscheidungen seien beim Synodalen Weg nicht zu erwarten und nicht möglich, so Wolf. "In der Struktur der katholischen Kirche hat das Volk keine wirkliche Stimme bei Entscheidungen. Sicherlich ist es aber hinreichend und notwendig, die Stimme des Volkes bestimmend zu berücksichtigen." (mal/KNA)