Bistum Münster will Missbrauchsopfern bei Entschädigungsantrag helfen
Beauftragter: "Nicht noch einmal in Leidensgeschichte eintauchen müssen"

Bistum Münster will Missbrauchsopfern bei Entschädigungsantrag helfen

Im September hatten die Bischöfe eine einheitliche Regelung für Anerkennungszahlungen an Missbrauchsopfer beschlossen. Um "seelische Belastungen" durch die Antragstellung zu vermeiden, bietet das Bistum Münster Betroffenen nun Unterstützung an.

Münster - 03.11.2020

Das Bistum Münster bietet Betroffenen sexuellen Missbrauchs Unterstützung bei der Beantragung von Anerkennungszahlungen an. Dieser Schritt stehe im Zusammenhang mit der Neuregelung des Verfahrens durch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), erklärte Interventionsbeauftragter Peter Frings, laut einer Bistumsmitteilung am Dienstag. Mit dem Angebot, bei der Antragstellung behilflich zu sein, wolle man den Betroffenen unnötige seelische Belastungen ersparen, die mit einer erneuten Schilderung ihrer leidvollen Erfahrungen verbunden sein könnten, so Frings.

Die deutschen Bischöfe hatten bei ihrer Vollversammlung im September eine für alle Bistümer einheitliche Vorgehensweise zur Zahlung von materiellen Leistungen in Anerkennung des Leids von Opfern sexuellen Missbrauchs beschlossen. Demnach stehen den Betroffenen bis zu 50.000 Euro zu; dies gilt auch für Personen, die bereits in einem diözesanen Anerkennungsverfahrungen Geld erhalten haben. Die Prüfung von Nachzahlen erfolgt ab Januar 2021 auf Antrag bei einem zentralen Gremium. Dieses soll aus kirchenunabhängigen Fachleuten bestehen und verbindlich über die zustehenden Entschädigungen entscheiden.

Bistum erhofft sich Entlastung der Betroffenen

Frings wandte sich nun in einem Brief an die bisher vom Bistum Münster erfassten Missbrauchsopfer und schilderte darin das von der DBK beschlossene Vorgehen. Auf Wunsch der Betroffenen wolle die Diözese aufgrund der bisher dokumentierten Sachlage die Beantragung bei dem zuständigen Gremium übernehmen. Dies sei jedoch nur als Angebot zu verstehen, von dem man sich eine Entlastung der Betroffenen erhoffe, "da sie nicht noch einmal in ihre Leidensgeschichte eintauchen müssen", so Frings. Aber auch wer dem Gremium "die ganze Schwere" des erlebten Leids nochmals "auf andere Weise" darstellen wolle, könne sich vom Bistum helfen lassen.

Bereits bei ihrer Frühjahrsvollversammlung hatten die deutschen Bischöfe angekündigt, sich bei den Anerkennungszahlungen an Urteilen staatlicher Gerichte zu Schmerzensgeldern für Missbrauchsopfer zu orientieren. Da eine Arbeitsgruppe vorher Entschädigungsbeträge in bis zu sechsstelliger Höhe vorgeschlagen hatte, zeigten sich verschiedene Opfervertretungen über die im September getroffene Entscheidung enttäuscht. (mfi)