Bischof Neymeyr: Beteiligung der Parlamente in Pandemie unersetzlich
Digitale Ansprache des Erfurter Oberhirten zum Elisabeth-Empfang

Bischof Neymeyr: Beteiligung der Parlamente in Pandemie unersetzlich

Auch der traditionelle Erfurter Elisabeth-Empfang musste dieses Jahr wegen Corona ausfallen. In seiner digitalen Ansprache beschrieb Bischof Ulrich Neymeyr das Virus als eine "Mahnung zur Umkehr" und nahm auch zu politischen Themen Stellung.

Erfurt - 19.11.2020

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat die hohe Bedeutung parlamentarischer Beteiligung an den staatlichen Corona-Verordnungen hervorgehoben. Dies äußerte er am Mittwoch in einer Ansprache zum diesjährigen Elisabeth-Empfang in der Thüringer Landeshauptstadt. Da die traditionelle Veranstaltung des Bistums aufgrund der Infektionslage abgesagt werden musste, wurden die Worte des Bischofs als Podcast veröffentlicht. Viele Menschen seien zu Recht erschrocken, "als sie im März erleben mussten, wie radikal der Staat in ihr Leben eingreifen kann", so Neymeyr. Er danke deshalb "allen, die erkannt haben, dass es in einer freiheitlichen Gesellschaft gerade bei solch gravierenden Maßnahmen auch der Meinungsbildung durch die gewählten Vertreter des Volkes in den Parlamenten bedarf". Dies fordere von den Abgeordneten "die Abkehr von persönlichen Diffamierungen, kleinlichen parteipolitischen Strategien sowie populistischen Vereinfachungen".

Zu Beginn seiner Ansprache stellte Neymeyr die Einladung zum Vertrauen als Grundbotschaft des biblischen Glaubens heraus: Wo die Vernunft berechtigterweise zur Vorsicht mahne, erinnere der Glaube an Gottes Beistand daran, "dass Vorsicht ohne Vertrauen Angst ist". Die Frage, warum Gott eine leidvolle Pandemie zulassen oder die Menschen gar bestrafe, greife zu kurz. Anknüpfend an die neutestamentliche Erzählung über einen Turmeinsturz in Jerusalem versteht der Erfurter Bischof die Pandemie stattdessen als eine vielfältige "Mahnung zur Umkehr".

Aufforderung zu Solidarität und Mitmenschlichkeit

Da bestimmte Abstands- und Hygieneregeln bisher die einzigen wirksamen Mittel gegen das Virus sind, fordere die Pandemie "ein hohes Maß an Solidarität aller mit allen", sagte Neymeyr. So sei das Corona-Virus zunächst "eine Mahnung zur Humanität, die niemanden ausschließt".  Es fordere "zu einer Umkehr von der Ich-Zentriertheit unserer modernen Gesellschaft zu Solidarität und Mitmenschlichkeit", hieß es in der Ansprache. Als weitere Themen, die durch die gegenwärtige Krisensituation verstärkt ins Bewusstsein treten würden, nannte der Bischof etwa die Forderung, genauso entschlossen wie gegen Corona auch gegen den Klimawandel vorzugehen. Außerdem seien eine gute Informationskultur gegen die gezielte Verbreitung von Falschmeldungen und der Ruf nach mehr gesellschaftlicher Anerkennung für Berufe im erzieherischen und kulturellen Bereich nötig.

Der Elisabeth-Empfang wird vom Bistum Erfurt jedes Jahr am oder in zeitlicher Nähe zum Gedenktag der heiligen Elisabeth von Thüringen am 19. November ausgerichtet. Die kirchliche Veranstaltung versteht sich als ein Begegnungs- und Dankabend für Politiker und gesellschaftliche Verantwortungsträger. Die in diesem Jahr als Online-Beitrag veröffentlichte Ansprache des Erfurter Bischofs richtet sich "an die Männer und Frauen, die er gerne als Gäste begrüßt hätte, und an die interessierte Öffentlichkeit". (mfi)