Leerer Hörsaal in einer Universität
Studiengang von internationaler Organisation nicht approbiert

Vatikan warnt vor angeblichem Theologie-Studienprogramm

Das Angebot klingt verlockend: ein Master oder sogar ein Doktor in katholischer Theologie, und das online. Doch der Vatikan warnt: Das angebliche Theologiestudium ist nicht anerkannt – und die Universität hat noch mehr dubiose Geschäftsfelder.

Görlitz/Berlin/Vatikanstadt - 20.11.2020

Das vatikanische Staatssekretariat warnt vor einem nicht approbierten angeblichen Studiengang in katholischer Theologie. Wie das Bistum Görlitz in seinem aktuellen Amtsblatt (Novemberausgabe) mitteilt, sei der Studiengang "Roman Catholic Theology" der "universitären Organisation EUCLID" nicht vom Heiligen Stuhl approbiert. Darauf weist der Apostolische Nuntius in Deutschland, Nikola Eterović, im Auftrag des Vatikans hin.

Die "Euclid University" wurde 2008 als zwischenstaatliche Organisation von afrikanischen und pazifischen Staaten gegründet und hat ihren Sitz in Gambia und der Zentralafrikanischen Republik. Ziel der Gründung sei es nach eigener Darstellung, Beamte der beteiligten zwölf Staaten auszubilden. Die Studiengänge seien auch für die Allgemeinheit zugänglich. Ihre Abschlüsse sind jedoch über die beteiligten Staaten hinaus international nicht anerkannt.

Nur Bildungskongregation kann Theologie-Studiengänge anerkennen

Zum von EUCLID angebotenen Lehrangebot gehören neben Master- und Dissertationsprogrammen in angeblich römisch-katholischer Theologie auch Studiengänge zu interreligiösem Dialog und Diplomatie, islamischer Finanz- und Wirtschaftswissenschaft, östlicher und griechisch-orthodoxer Theologie sowie vergleichender christlicher Theologie. Laut eigener Beschreibung werde der katholische Studiengang "aus lehramtlicher Perspektive" unterrichtet und nicht "aus kontroverser oder modernistischer Perspektive".

Die Organisation gibt auf ihren Webseiten mit Verweis auf eine UNESCO-Konvention an, dass ihre römisch-katholischen Studiengänge vom Heiligen Stuhl anerkannt seien. Der angeführten Konvention über die Anerkennung von Hochschulabschlüssen afrikanischer Staaten ist der Heilige Stuhl zwar 2014 beigetreten. Sie regelt jedoch nicht die Anerkennung von theologischen Studienprogrammen, die der Kongregation für das Katholische Bildungswesen vorbehalten ist.

Außerdem verweist EUCLID darauf, offizieller Partner des "Ritterordens des Heiligen Johannes Chrysostomos" zu sein, der unter der Schirmherrschaft des Erzbischofs von Jos (Nigeria) steht. Der Ritterorden ist allerdings eine Neugründung, dessen Gründungsurkunde von dem ebenfalls von EUCLID betriebenen "Intergovernmental College of Arms and Traditional Societies" beglaubigt wurde. Das ICATS bietet unter anderem die Registrierung von Wappen und "Familienchartas" an. (fxn)