Schwester Liliane Juchli im Portrait
Die Ordensfrau wurde 87 Jahre alt

Pflegepionierin Juchli stirbt nach Corona-Infektion

Ihr Name stand für professionelle Pflege: Generationen von Fachleuten wurden mit ihrem Standardwerk ausgebildet. Nun ist die Ingenbohler Schwester Liliane Juchli gestorben. Eine Corona-Infektion überstand sie nicht.

Bern - 01.12.2020

Die Ordensfrau und Pionierin der professionellen Pflege Liliane Juchli ist tot. Wie der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK-ASI) mitteilte, ist die 87-jährige am Montag in Bern an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Juchli, die zu den "Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz", einer franziskanischen Gemeinschaft, gehörte, hat die Professionalisierung und Lehre der Krankenpflege nachhaltig beeinflusst. Das von ihr unter dem Titel "Umfassende Krankenpflege" begründete Lehrbuch wurde zum Standardwerk und unter ihrem Namen als "die Juchli" bekannt.

Der SBK-ASI würdigte Juchli in einem Nachruf als "prägendes Vorbild und eine unermüdliche Kämpferin für eine professionelle und menschenwürdige Pflege, die Generationen von Pflegefachpersonen im deutschsprachigen Raum geprägt und inspiriert hat". Die Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, Christel Bienstein, nannte die gebürtige Aargauerin "eine der mutigsten und inspirierendsten Pflegefachfrauen im deutschsprachigen Raum".

"Die Juchli" als Standardwerk der Pflegeausbildung

Juchli absolvierte in den 1950er Jahren eine Ausbildung zur Krankenschwester an der Zürcher Krankenpflegeschule Theresianum, die von ihrem späteren Orden geführt wurde. 1956 trat sie selbst den "Ingenbohler Schwestern" bei und legte 1959 ihre ewige Profess ab. Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin für Krankenpflege an der Kaderschule des Schweizerischen Roten Kreuzes und Tätigkeiten an verschiedenen Krankenhäusern lehrte sie ab 1961 Krankenpflege, unter anderem in Zürich und Aarau. Ihr in dieser Zeit entwickeltes Unterrichtsmaterial diente als Grundlage für die erste Auflage ihres Pflegebuchs.

In den folgenden Auflagen, die bis 1997 unter ihrer Herausgeberschaft erschienen, schlug sich ein Umbruch in der Krankenpflege von einer rein medizinischen Behandlung hin zu einer ganzheitlichen Sicht auf die Patienten nieder. 2018 betonte sie im Interview mit der Nachrichtenagentur Kipa, dass ein kranker Mensch "nicht einfach eine 'Gallenblase in Zimmer 21'" sei, sondern "eine Ganzheit, mit seiner Krankheit, aber auch mit seinem sozialen Umfeld, mit seinen Erfahrungen, seiner Einstellung zum Leben. Der Mensch hat auch seine eigene Biografie, die in der Pflege mit einzubeziehen ist", so Juchli.

Bereits zu Lebzeiten wurde Juchli für ihre Leistungen hoch ausgezeichnet. Zu ihren Ehrungen gehören Ehrendoktorate, die höchste Auszeichnung des Österreichischen Krankenpflegeverbands und das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Anlässlich der Verleihung des deutschen Verdienstordens beschrieb sie ihr Pflegeverständnis: "Einen Menschen pflegen, heisst, ihm jene Unterstützung zukommen zu lassen, die er braucht, sei es zum Gesundwerden, Leben mit Behinderung oder Sterben." (fxn)