Erzbistum Freiburg ändert Regeln für Messstipendien und erhöht Gebühr
Neue Ordnung gilt ab 1. Januar

Erzbistum Freiburg ändert Regeln für Messstipendien und erhöht Gebühr

Für viele gehört es zur Trauer, für die Verstorbenen Messen feiern zu lassen. Seit alters her können dafür Messstipendien gestiftet werden. Die Regeln dafür hat das Erzbistum Freiburg nun reformiert – und eine Preiserhöhung festgelegt.

Freiburg - 03.12.2020

Die Erzdiözese Freiburg hat ihr Messstipendienwesen reformiert und die reguläre Gebühr für ein Messtipendium um einen Euro auf 5 Euro erhöht. Am Montag wurde die neue "Ordnung für Messstipendien, Messstiftungen und Stolgebühren (MessStO)" im Amtsblatt des Erzbistums veröffentlicht. Messstipendien sind Gaben von Gläubigen für die Feier einer Messe in einem bestimmten Anliegen, insbesondere für die Fürbitte für Verstorbene.

Die Gebühr setzt sich aus einem Anteil von 1,50 Euro (bisher 1 Euro) für den liturgischen Sachaufwand einer Messe, der stets in den zuständigen Kirchenfonds fließt, und 3,50 Euro (bisher 3 Euro) für den Unterhalt von Priestern und kirchliche Aufgaben zusammen. Direkt ausgezahlt werden Gelder aus Messstipendien jedoch nicht an diözesane und andere Priester, die vom Erzbistum bezahlt werden, "da der Unterhalt der in der Erzdiözese Freiburg tätigen Priester grundsätzlich sichergestellt ist". In diesen Fällen kommen die Messstipendien vollständig dem jeweiligen Kirchenfonds der Gemeinde zugute. Bei Bedürftigkeit darf von der Summe auch nach unten abgewichen werden, auch die Annahme eines höheren Betrags ist zulässig. Sogenannte "Gregorianische Messreihen", das heißt die Zelebration von 30 Messen an aufeinanderfolgenden Tagen, dürfen nicht mehr angenommen werden, da aufgrund des Priestermangels die Erfüllung nicht mehr sichergestellt werden kann.

Pfarreieninstruktion sorgte für Diskussion über Messstipendien

Die Ordnung regelt außerdem Messstiftungen etwa zum Jahrgedenken für Verstorbene. Für eine Messtiftung mit einer Laufzeit von 10 Jahren werden 200 Euro Mindestgebühr erhoben, für 20 Jahre  400 Euro. Stolgebühren für die Feier von Kasualien wie Taufe, Trauung und Begräbnis werden im Erzbistum nicht erhoben. Zulässig bleiben Gebühren für Einsätze von Kirchenmusikern, die nicht von deren Dienstvertrag abgegolten sind.

Der Vatikan hatte sich zuletzt im Sommer in der Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien der Kleruskongregation zu Messtipendien und Stolgebühren geäußert. Darin wird betont, dass beide Formen einen "naturgemäß freiwilligen Beitrag" darstellen, nicht aber "einen 'zu bezahlenden Preis' oder […] eine 'einzufordernde Gebühr' im Sinne einer Art 'Sakramentensteuer'" (Nr. 118). Während dieser Abschnitt im deutschsprachigen Raum kaum beachtet wurde, löste er in Italien eine lebhafte Diskussion aus. Die Freiburger MessStO geht auch auf die in der Instruktion genannte Möglichkeit einer anonymen Gabe ein. "Anonyme Briefe", in denen um eine Messintention gebeten wird, sollen demnach in das Verzeichnis der Messintentionen eingetragen werden.

"Schein von Geschäft oder Handel" vermeiden

Messstipendien entwickelten sich im Mittelalter aus Gaben für Priester für die Feier von Messen, die zu deren Unterhalt beitrugen. Gemäß geltendem universalem Kirchenrecht ist es auch heute noch jedem Priester erlaubt, Messstipendien anzunehmen, "damit er die Messe in einer bestimmten Meinung appliziert" (can. 945 § 1 CIC/1983). Gläubige tragen damit "zum Wohl der Kirche bei und beteiligen sich durch dieses Stipendium an deren Sorge für den Unterhalt von Amtsträgern und Werken" (can. 946 CIC/1983). Dabei sei jedoch darauf zu achten, dass nicht der Eindruck entsteht, dass man sich Seelenheil erkaufen könne. Vom Messstipendienwesen muss "jeglicher Schein von Geschäft oder Handel" ferngehalten werden (can. 947 CIC/1983). Priestern wird "eindringlich empfohlen", auch Messen ohne solche Zuwendungen nach der Intention der Gläubigen, "vor allem der Bedürftigen" zu feiern (can. 945 § 2 CIC/1983).

Die von Erzbischof Stephan Burger am 26. November 2020 unterzeichnete Ordnung tritt zum 1. Januar 2021 in Kraft und ersetzt eine Vielzahl an diözesanen Einzelregelungen, die teilweise bis auf das Jahr 1932 zurückgehen. Die letzte umfassende Regelung von Messstipendien im Erzbistum Freiburg fand 1994 statt. (fxn)