Der Bamberger Erzbischof, Ludwig Schick.
Bambergs Erzbischof Ludwig Schick fordert Emanzipation von Männern – auch in der Kirche

Gegen den Trend

Männer sollen sich selbstbewusst den gesellschaftlichen Herausforderungen an ihr verändertes Rollenbild stellen, fordert Bambergs Erzbischof Ludwig Schick. "Die notwendige Emanzipation im guten Sinn muss alle Ebenen des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens umfassen", sagte er am Dienstag anlässlich des Internationalen Männertags.

Bamberg - 19.11.2013

Nicht nur die Frauendiskriminierung in Berufswelt und Politik sei anzuprangern, betonte der Erzbischof. Auch wenn Männer im Haushalt, in Pflegeberufen oder als Erzieher belächelt würden oder die Elternzeit für Männer berufliche Nachteile zur Folge habe, müsse es einen Aufschrei geben. Die Gesellschaft dürfe die Männer nicht auf "Gewalt, Drogen und bestimmte Berufe festlegen", so Schick. Auch Männer sollten sich für die drei "K" Küche, Kinder und Kirche engagieren, so wie Frauen in traditionellen Männerdomänen tätig seien.

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung müssten auch in der Kirche die Männer eine größere Rolle spielen, erklärte Schick. Zwar sei das Priesteramt Männern vorbehalten, im Gemeindeleben jedoch seien Männer oft unsichtbar. "Seitdem das traditionelle Familienbild von Hausfrau und arbeitendem Ehemann aufgebrochen ist, darf auch kirchliches Engagement nicht mehr nur Frauensache sein", sagte Schick. Aus der Abwesenheit von Männern in der Gemeindearbeit dürfe nicht geschlossen werden, Männer seien areligiös und an Kirche nicht interessiert.

Schick sieht "Feminisierung des Glaubens" in etlichen Pfarreien

"Auch Männer haben eine Seele, sind auf spiritueller Sinnsuche und wünschen sich dafür eine glaubwürdige Wegbegleitung", so der Erzbischof. Dass Männer sich oft von kirchlichen Angeboten nicht mehr angesprochen fühlten, müsse den Verantwortlichen in der Kirche zu denken geben. Klassische Männerverbände wie Kolping oder Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) hätten sich in den letzten Jahrzehnten zu Familienverbänden gewandelt, weshalb männlich geprägte Räume immer mehr aus den Gemeinden verschwunden seien. In etlichen Pfarreien sei daher eine "Feminisierung des Glaubens" zu beobachten.

Die Co-Pilotin Petra Lorenz am Dienstag, 14. August 2012, im Rahmen eines Fototermins mit der Austria Presse Agentur (APA) im Cockpit eines Passagierflugzeuges am Flughafen Wien-Schwechat.

Eine Frau im Cockpit eines Flugzeuges.

Da die Kirche jedoch "Frauen und Männer gleichermaßen" brauche, appellierte der Erzbischof für eine geschlechtersensible Pastoral. Die solle Männer in ihrem Lebenskontext wertschätzend in den Blick nehmen und ihnen Begleitung in ihren Lebensfragen anbieten. "Männeroffen ist Kirche dann, wenn es ihr gelingt, Männern in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit und Vielfalt offen und wertschätzend zu begegnen, sodass sie Zeugen des Evangeliums werden", sagte Schick.

Der Internationale Männertag wurde 1999 von Trinidad und Tobago eingeführt und wird heute mit Unterstützung der Unesco in vielen Ländern weltweit am 19. November begangen. Ziel ist es, das Verhältnis der Geschlechter zu verbessern, Benachteiligungen von Männern und Jungen aufzuzeigen und ihren Einsatz für Familie und Gemeinwohl zu würdigen. (bod)