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Standpunkt

Durch geschlossene Kirchen erleben wir die echte Menschwerdung Christi

Eines habe das Coronavirus nicht geschafft: Weihnachten falle nicht aus, kommentiert Schwester Maria Gabriela Zinkl. Doch mit den geschlossenen Türen an Heiligabend erlebten wir das Fest der Menschwerdung Christi im eigentlichen Sinne.

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl |  Bonn - 24.12.2020

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Heute ist es also so weit. Im Kalender steht das wohl bekannteste Datum des Jahres, der 24. Dezember. Mit keinen anderen Tag verbinden wir so viele Hoffnungen und Sehnsüchte wie mit diesem. Weihnachten lässt uns denken an erfüllte oder unerfüllte Wünsche, an Geborgenheit, Familie, heile Welt, vermischt mit heimeligen Kindheitserinnerungen und ein wenig Lebkuchen-Glückseligkeit. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders, trotz der niederdrückenden Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie. Eines hat das Virus nämlich nicht geschafft: Weihnachten fällt in diesem Jahr nicht aus! 

Trotz aller Unkenrufe wird es sicher nicht das schwierigste Weihnachtsfest sein, auch wenn viel mehr Menschen als sonst um Verstorbene trauern oder um Erkrankte bangen. Da hatten es unsere Vorfahren zu Kriegszeiten und in den Nachkriegsjahren deutlich schwerer als wir heute.

Der Trubel der Weihnachtsmärkte hat gleich gar nicht erst stattfinden können, die Shoppingmalls blieben verwaist. Der Konsum reduzierte sich und verlagerte sich still ins Internet. Und siehe da: Der Advent wurde wider Erwarten plötzlich zu einer besinnlichen Zeit. Die Familienbesuche am Heiligen Abend werden in deutlich kleinerem Rahmen stattfinden und mit ihnen auch die in diesen Tagen sonst so gehäuften Familientragödien, hoffentlich.

Viele Türen bleiben verschlossen an diesem Heiligen Abend, gerade die unserer Kathedralen und Kirchen. Doch steht uns damit nicht unversehens die Tür auf zu einem Fest der Menschwerdung Christi, wie es dem eigentlichen Sinn entspricht? – Dass Weihnachten in unseren Gemeinschaften und Familien zuhause, bei mir selbst, beginnt. Dass die Lieder dieser Nacht auch vor der heimischen Krippe gesungen werden können. Dass der Stern der Geburt Christi über uns allen leuchtet, wo immer wir an diesem Abend auch sein werden, ob allein oder zusammen. Dass die Botschaft von Weihnachten nicht nur von den Ambos der Kirchen aus, sondern ebenso aus unseren Hausbibeln zu uns spricht. Und vor allem: Dass Christus Mensch geworden ist, um alle Sorgen und Freuden mit uns zu teilen.

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Maria Gabriela Zinkl SMCB ist Borromäerin im Deutschen Hospiz St. Charles in Jerusalem und arbeitet als Dozentin für Kirchenrecht und als Pädagogin.

Hinweis

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