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Standpunkt

Die Kirche muss sich in Krisenzeiten auf ihre Stärken besinnen

An Krisenherden mangelt es der Kirche momentan nicht, ob Missbrauch oder Corona. Ganz Deutschland könnte bald Diaspora sein, beobachtet Christof Haverkamp. Doch die Kirche habe noch immer Stärken – auf die müsse sie sich besinnen.

Von Christof Haverkamp |  Bonn - 05.01.2021

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Was bleibt noch von der Kirche, wenn religiöses Wissen schwindet, Glaube verdunstet, Traditionen abbrechen? Was geht verloren – was ist erhaltenswert? Zweifellos steckt die Kirche in einer tiefen Krise, nicht allein wegen des Umgangs mit Missbrauchsfällen und wegen Corona. Finanzielle Mittel werden knapper, die Zahl der Austritte bleibt auf hohem Niveau.

Wie in der Diaspora Ost- und Norddeutschlands wird es bald auch in katholischen Kerngebieten sein: Kirchliches Leben in der Minderheit, klein und machtlos – das kann aber auch überzeugend sein, ohne dass jeder ständig vom "heiligen Rest" schwadroniert. Minderheit muss nicht nur Nachteile mit sich bringen.

Schön klingen viele Zukunftsszenarien nicht, daher ist es in Krisenzeiten notwendig, sich auf die Stärken zu besinnen. Auf das, was Kirche glaubwürdig macht, warum sie gebraucht wird. Nicht wegen der Bremser, der Eitlen, der Machtmenschen. Oder wegen eines immer noch vorhandenen Klerikalismus', einer blutleeren Kirchensprache und manchen Formen der Liturgie, die Jüngere kaum verstehen. Auch nicht, weil autoritätsorientierte Katholiken den Synodalen Weg versperren wollen und sich ängstlich an den Katechismus klammern, als wäre die komplette Lehre in Beton gegossen.

Wohl aber wegen der Sinnfragen, über die Schüler im Fach Religion reflektieren. Wegen des Nachdenkens über ethische Fragen, über Gott, die Welt und den Begriff Triage. Vor allem aber wegen der gelebten Solidarität. Sozialpfarrer wie Franz Meurer und Peter Kossen machen es vor. Und ohne die Caritas wäre Deutschland ärmer. Grund genug, deutlich zu machen, dass auch dies Kirche ist: Einsatz für wohnungslose, behinderte, geflüchtete, gefangene Menschen, für Jugendliche in schwierigen Lebenslagen.

Ein aktuelles Beispiel sind die Sternsinger mit ihrer klaren Botschaft: Segnen von Häusern, Solidarität von Kindern mit anderen Kindern weltweit – das überzeugt auch Fernstehende. Schön, wie sie kreativ mit Corona-Einschränkungen umgehen und digitaler werden. Es tut gut, sich zu sagen, dass die Arbeit am Reich Gottes grundsätzlich großartig ist. Jedenfalls zielführender, als sich ständig jammernd an den Schwächen des Bodenpersonals abzuarbeiten.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

Hinweis

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