Die Häsuer liegen im Dunkeln, die Hochhäuser sind hell erleuchtet.
Der Katholikentag 2016 ist für Leipzig Herausforderung und Chance zugleich

Die Wüste lebt

Bistum Dresden-Meißen - Köln oder München, Fulda oder Paderborn! Aber Leipzig? Wer an katholisch geprägte Städte in Deutschland denkt, wird kaum auf die Sachsen-Metropole kommen. Und doch werden in rund drei Jahren Zehntausende Katholiken aus ganz Deutschland hier zu Gast sein. Der 100. Katholikentag im Jahr 2016 wird für die Verantwortlichen in der tiefsten Diaspora eine große Herausforderung werden, und eine große Chance sein.

Bonn/Leipzig - 29.11.2013

Der Beschluss war nur Formsache. Einstimmig nahm die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in der vergangenen Woche die Einladung des Bischofs von Dresden-Meißen, Heiner Koch, an. Dieser war persönlich nach Bonn gekommen, um die Einladung auszusprechen und erneut für die Stadt zu werben.

Es geht nicht um Badewannen

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Video: © katholisch.de

Bischof Heiner Koch über den Katholikentag in Leipzig 2016.

Also Leipzig. Gut 520.000 Einwohner, davon rund vier Prozent katholisch, etwa zwölf Prozent evangelisch und die große Mehrheit religionslos. "In Leipzig gehören 80 Prozent keiner Konfession an", hatte Koch konstatiert. "Und zwar nicht, weil sie sich über Badewannen ärgern, sondern weil das seit Generationen so ist." 40 Jahre den Atheismus predigender Sozialismus haben Spuren hinterlassen. Als der Präsident des Päpstlichen Kulturrats, Kardinal Gianfranco Ravasi, vor einigen Tagen Berlin als eine Art "religiöse Wüste" bezeichnete, hätte er ebenso gut Leipzig meinen können.

Doch die Wüste lebt! Über 1.000 Katholiken hat die Stadt im vergangenen Jahr gewonnen, durch Zuzug und durch Taufe. Mittlerweile bilden die 20- bis 30-Jährigen die größte Gruppe unter den rund 22.000 Kirchenmitgliedern. Und als sichtbares Zeichen entsteht der Neubau der Propsteikirche , die als zentrales katholisches Gotteshaus den maroden alten Bau ersetzen soll.

Mehr als Zahlen sagen Menschen über eine Situation aus. Nicht nur Bischof Koch, eine ganze Delegation war zur ZdK-Vollversammlung angereist, um zu berichten. Darunter Gregor Giele, Pfarrer an der Propsteikirche und verantwortlich für den Neubau. Leipzig sei eine weltoffene Stadt, sagte er. Dennoch sei die Situation "für uns Glaubende kein guter Zustand."

Man leide unter der Religionslosigkeit, käme aber nie auf die Idee, sich zurückzuziehen, sagte Giele. Ganz im Gegenteil. "In der dritten Generation, die ohne Glauben aufwächst, gibt es ein neues, unverbrauchtes Interesse an Religion", so der Pfarrer.

Mit Nächstenliebe fängt es an

Katholisches Wirken ist daher nicht nur in Leipzig, sondern in vielen Teilen des Bistums Dresden-Meißen harte Basisarbeit. Etwa im katholischen Kindergarten in Großenhain, rund 40 Kilometer nördlich von Dresden. Dessen Leiterin Ulrike Vogt war ebenfalls nach Bonn gekommen. Von 53 Kindern in der Einrichtung sei rund ein Drittel christlich, und ganze vier Kinder seien wiederum katholisch, sagte sie.

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Bischof Heiner Koch lädt zum Katholikentag 2016 in die sächsische Großstadt ein.

"Die DDR hat gründliche Arbeit bei der Beseitigung des Glaubens geleistet", sagte Vogt. Ebenso aber auch: "Es geht nicht um Zahlen, wichtig ist, welchen Geist wir hier leben." Religiosität beginne in ihrem Kindergarten mit gelebter Nächstenliebe, beinhalte aber selbstverständlich auch das Tischgebet.

In einer lebenden Wüste wachsen Pflanzen. Bernd Merbitz, ebenfalls als Gast aus Leipzig in Bonn, ist ein Beispiel dafür. Als der heute 57-jährige mit 19 Jahren in den Polizeidienst der DDR eintrat, musste er seine evangelische Konfession notariell ablegen.

Erst wenige Jahre ist es her, dass Merbitz in die katholische Kirche eintrat. Dort erfahre er viel Menschlichkeit, teilte er sichtlich bewegt den ZdK-Delegierten mit. Demut und Glaube – das seien Dinge, die er auch im Einsatz als Polizist lebe. "Leipzig ist eine Stadt, die pulsiert", sagte Merbitz, "eine Stadt, die lebt – und da gehört der Katholikentag hin."

Von Christoph Meurer