Schachfigur
Standpunkt

Für mehr Respekt und Gottvertrauen in Debatten der Kirche

Das neue Jahr sollte einen Fortschritt bringen in der Beziehung der Reformer und Bewahrer in der katholischen Kirche, wünscht sich Albrecht von Croy. Gegenseitiges Verstehen-wollen sei zentral; Etiketten gehörten auf Dinge, nicht auf Standpunkte.

Von Albrecht von Croy |  Bonn - 07.01.2021

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Vorsätze für's Neue Jahr? Gott behüte! Vorsätze sind spätestens am 31. Januar Schall und Rauch. Aber Wünsche. Wünsche bleiben, tragen durchs Jahr und manch einer von uns wird auch mit ihrer Erfüllung belohnt. Nach einem Jahr wie dem abgelaufenen keimt ein besonderer Wunsch: Möge es uns besser gelingen, unterschiedliche Meinungen sachlicher und Streitigkeiten versöhnlicher auszutragen, mögen wir uns in Politik und Gesellschaft mehr bemühen, die Sichtweisen des anderen zunächst wirklich verstehen zu wollen und nicht a priori mit Tabu-Attributen zu belegen. Mögen wir uns in der katholischen Kirche um eine ehrliche Annäherung von Bewahrern und Reformern bemühen, ohne mit Injurien wie "Fundamentalisten" und "Zeitgeist-Hörige" übereinander herzufallen.

Wer das "Fundament" nicht ehrt, weiß nichts über Statik. Wer es aber zur einzigen Bedeutung für einen gelungenen Bau verklärt, weiß nichts über Säulen und Gewölbe. Wer dem "Zeitgeist" hinterherläuft, wird immer Letzter sein. Wer ihn aber ignoriert oder verleugnet, wird auch Letzter bleiben! Etiketten kleben auf Dingen, nicht auf Standpunkten! Wohin soll es führen, die Gegner der katholischen Reformbemühungen als unbelehrbare Traditionalisten abzustempeln? Und wohin, ihre Befürworter als Verräter an der "reinen Lehre" zu schmähen?

Es mangelt schlicht an Gottvertrauen. Den deutschen Bischöfen Unkenntnis der reinen Lehre vorzuhalten, ist bestenfalls kindisch, in Wahrheit aber selbstgerecht. Es ist ihre Aufgabe, sich fest auf dem Fundament stehend Gedanken über neue Säulen und Gewölbe zu machen. Und, den veränderten Zeiten geschuldet, diese Gedanken dann auch zur Diskussion zu stellen. Was in dieser Welt ist vom Verschweigen je besser geworden? Was würde besser, wenn es die Diskussionen des Synodalen Wegs nicht gäbe, was, wenn manche Bischöfe sich nicht z.B. mit der Frage von Segnungen gleichgeschlechtlicher Menschen beschäftigen würden? Der Wunsch also für 2021: mehr Respekt füreinander, mehr Gottvertrauen zueinander!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin".

Hinweis

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