Sturm auf das US-Kapitol
Trump-Mob stürmt US-Parlament

Pax Christi USA: "Wer Wind sät, erntet Sturm"

Ein Mob von Unterstützern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump hat das Parlament in der Hauptstadt Washington gestürmt. Während die Sicherheitskräfte zurückhaltend agieren, rufen Vertreter der Religionen zum Frieden auf – und benennen teilweise klar den Verantwortlichen.

Washington - 07.01.2021

In der US-amerikanischen Hauptstadt Washington DC hat ein Mob aus Unterstützern des bei der Wahl im November unterlegenen Präsidenten Donald Trump das Parlament gestürmt. In einer gemeinsamen Sitzung von Abgeordnetenhaus und Senat sollten die Abgeordneten am Mittwoch das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl bestätigen. Zur Stunde konnte die Bestätigung der Auszählung des Wahlleutegremiums nicht vorgenommen werden. Die Sicherheitskräfte scheinen die Lage nicht unter Kontrolle zu haben und agieren sehr zurückhaltend, während der amtierende Vizepräsident Mike Pence die Nationalgarde zum Eingreifen beordert hat.

Einzelne US-Bischöfe haben sich zu den Ausschreitungen geäußert. Während die US-Bischofskonferenz zunächst nur einen Tweet mit den Worten "Lord God of peace, hear our prayer" (Herr, Gott des Friedens, erhöre unsere Gebete") veröffentlicht hat, äußerte sich der Bischof von San Diego, Robert McElroy, gegenüber dem "National Catholic Reporter" (NCR) mit den Worten, dass "wir heute das Gesicht des Aufstands in den Vereinigten Staaten in einer Weise sehen, wie wir es in den letzten hundert Jahren nicht erlebt haben. Es ist hässlich und ruft uns zum Handeln auf."

Später äußerte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz, José Gomez, Erzbischof von Los Angeles: "Mit den Menschen guten Willens verdamme ich die Gewalt am Kapitol. So sind wir Amerikaner nicht." Er betonte, dass die friedliche Machtübergabe ein Kennzeichen der Nation sei. Das Land müsse sich auf seine demokratischen Werte und Grundsätze bsinnen und als "eine Nation unter Gott" zusammenkommen.

Auch der Erzbischof der Hauptstadt-Erzdiözese Washington, Kardinal Wilton Gregory, sprach sich für Frieden und Einheit aus. Zugleich krtisierte er den "spaltenden Ton, der in letzter Zeit unsere nationalen Gespräche so dominiert hat, muss anders werden. Wer zu hetzerischer Rhetorik greift, muss auch Verantwortung für die zunehmende Gewalt in unserem Land übernehmen", hieß es in einer über die Webseite des Erzbistums verbreiteten Mitteilung.

Der Interims-Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Ioan Sauca, verurteilte die "spaltende populistische Politik der vergangenen Jahre". Sie habe Kräfte freigesetzt, die "die Grundlagen der Demokratie in den Vereinigten Staaten und - in dem Maße, wie sie ein Beispiel für andere Länder darstellen - in der ganzen Welt bedrohen". Die Entwicklungen hätten weit über die amerikanische Innenpolitik hinaus Bedeutung und seien weltweit Grund zur Sorge.

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Kardinal Joseph Tobin, Erzbischof von Newark, zeigte sich schockiert, aber nicht überrascht. "Es ist das Ergebnis einer langen, fortschreitenden Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft." Weitere Bischöfe riefen auf Twitter zum Gebet auf, Verantwortliche vieler Konfessionen und Religionen riefen zu einem Ende der Gewalt auf. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi (Demokraten) sagte, dass "wir heute, am 6. Januar, dem Fest Epiphanie, darum beten, dass diese Anstachelung zur Gewalt uns eine Erleuchtung bringt, mit der unser Land heilen kann". Der gewählte Präsident Joe Biden rief zu einem digitalen Gebet über eine Videoplattform auf.

Am deutlichsten äußerte sich innerhalb der USA die nationale Sektion der katholischen Friedensbewegung Pax Christi. Gegenüber NCR betonte deren Präsident, Bischof John Stowe von Lexington, dass man darüber nachdenken müsse, wie es sein könne, dass man einem Präsidenten erlaubt habe, die Rechtstaatlichkeit derart zu untergraben. Der Geschäftsführer der Organisation, Johnny Zokovitch, veröffentlichte eine Stellungenahme, die katholisch.de dokumentiert.

Aus Deutschland meldete sich der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zu Wort und bezeichnete die jüngsten Ereignisse in Amerika als erschreckend und beunruhigend. Auf Twitter schrieb er: "Trump BEFEUERT, leider Gottes, aber nur das FEUER des Zwiespalts und Unfriedens, das unter den Amerikanern brennt." Die Amerikaner bräuchten Versöhnung. In diesem Zusammenhang sei ihm ein Satz von Martin Luther King eingefallen, so Schick: "Die Botschaft von Weihnachten: Es gibt keine größere Kraft als die Liebe. Sie überwindet den Hass wie das Licht die Finsternis." (fxn)

7.1., 9 Uhr: Ergänzt um Kardinal Gregory und Weltkirchenrat. 16:55 Uhr: Ergänzt um Schick.

Stellungnahme von Pax Christi USA zu den Ausschreitungen

Wir müssen deutlich werden. Was heute im US-Kapitol passiert, ist die Folge der Demagogie eines einzigen Mannes, Präsident Trumps, und das Versagen aller – von Politikern, Medien, der Familie und mehr – die die hasserfüllte und spaltende Rhetorik, die die Amtszeit dieses Präsidenten ausgemacht hat, entschuldigt, über sie weggesehen, sie abgetan oder anderweitig gefördert haben. Diejenigen, die diesen Präsidenten hätten in die Verantwortung nehmen können und müssen, haben in den vergangenen Jahren das genaue Gegenteil getan, oft aus eigennützigen Motiven. Die heutigen hässlichen und beschämenden Vorgänge am Kapitol sind die traurigen, aber vorhersehbaren Ergebnisse dieser Verweigerung von Verantwortung.

Im Buch des Propheten Hosea heißt es "Wind säen sie und ernten Sturm". Die verspäteten Rufe nach Frieden und Respekt der Abgeordneten, die diesen Präsidenten wo es nur möglich war unterstützt haben, jetzt wo sie sie sich selbst bedroht fühlen, klingen schal und leer. Vielleicht dienen die heutigen Ereignisse einigen zur Umkehr. Vielleicht helfen diese Ereignisse, den schlimmsten Trieben unserer Nation Einhalt zu gebieten. Ob das so sein wird, erfahren wir erst später. Was der heutige Tag für uns bedeutet, werden die die Worte und Taten unserer gewählten Anführer zeigen.

(Übersetzung fxn/katholisch.de)