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Standpunkt

Die Kirche muss gegen Demokratiegefährder immer wieder Haltung zeigen

Ob die Eindringlinge in den US-Kongress oder die Coronaleugner in Deutschland: Überall sind religiöse Elemente zu finden, beobachtet Julia Martin. Gegen solche Vereinnahmungen müssten Bischöfe wie Gläubige Haltung zeigen – immer wieder.

Von Julia Martin |  Bonn - 08.01.2021

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Wir müssen uns weiter gegen eine Instrumentalisierung unseres Glaubens positionieren und uns damit deutlich von Demokratiegefährdern abgrenzen. Auch wenn, oder gerade weil das erwartbar ist. Dass das dieser Tage nötig ist, zeigen die Ereignisse aus den USA, bei denen unter anderem "Jesus saves"-Plakate von Trump-Anhängern beim Sturm auf das Kapitol zu sehen waren.

Der Vorsitzende der amerikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof José H. Gomez, äußerte sich zu den Ereignissen und Washington klar: "Mit den Menschen guten Willens verdamme ich die Gewalt am Kapitol. So sind wir Amerikaner nicht." Solche Statements wie auch solche wie vom Jesuiten James Martin sind zwar nicht überraschend, aber notwendig. Dieser sieht die Ereignisse vom 6. Januar auch als Ergebnis einer "Gut gegen Böse"-Rhetorik und deren Instrumentalisierung seitens Kirchenvertretern während der Wahl und spricht von einem "Weckruf" für Bischöfe, Priester und katholische Medien, die sich dieser Sprache bedienen.

Die Kirche – sowohl die Bischöfe als offizielle Stimme, als auch wir Gläubigen – dürfen nicht müde werden, unsere gegensätzliche Position klarzumachen. Gegen jede Vereinnahmung oder Scheinargumentation muss die eigene Stimme erhoben werden.

Auch in Deutschland bedient sich die selbsternannte "Querdenker"-Gruppierung religiöser Elemente. So bekamen Demonstrationen qua offizieller Anmeldung Gottesdienststatus, sogar Pfarrer traten dort mit Redebeiträgen auf. Bei Aufmärschen wurden christliche Symbole wie das Kreuz mitgeführt, mit vermeintlichen Bibelbelegen die indiskutable Haltung "argumentiert" wie am 3. Januar in Nürnberg.

"Nicht im Namen unseres Glaubens" kann in dieser Zeit unser Leitspruch sein. Trauen wir uns, Haltung zu zeigen. Überlassen wir nicht den anderen die laute Stimme in der Öffentlichkeit. Stellen wir uns lieber einmal mehr (wobei es ein "zu viel" in diesem Zusammenhang nicht geben kann) als einmal zu wenig dem entgegen. Tun wir das Erwartbare – im positivsten Sinn.

Von Julia Martin

Die Autorin

Julia Martin ist Pressesprecherin der Benediktinerabtei Münsterschwarzach.

Hinweis

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