Schwarzweißbild, Hand krallt sich an Gefängnisgitter
Knebel, Peitschen und Büßergewänder in Konvent sichergestellt

Schwestern mussten sich selbst geißeln – Drei Jahre Haft für Oberin

Es ist ein besonders schwerer Fall von geistlichem Missbrauch: Eine argentinische Klostervorsteherin hatte ihre Mitschwestern gezwungen, sich selbst zu geißeln, und sie in ihren Zellen eingesperrt. Nun muss die Karmelitin drei Jahre ins Gefängnis.

Buenos Aires - 29.01.2021

In Argentinien ist das Urteil von drei Jahren Haft für eine ehemalige Klostervorsteherin rechtskräftig geworden, die die ihr unterstellten Mitschwestern körperlich und psychisch misshandelt hat. Die ehemalige Superiorin des Konvents der Unbeschuhten Karmelitinnen in Nogoyá, einer Kleinstadt im Osten Argentiniens, hat die dort lebenden Ordensschwestern zur Selbstgeißelung gezwungen, sie auf unbestimmte Zeit in ihre Zellen gesperrt und ihnen Nahrung vorenthalten, wie örtliche Zeitungen am Donnerstag berichteten. Die Bestätigung des Urteils aus dem Jahr 2019 war bereits im Dezember 2020 durch ein Berufungsgericht erfolgt, doch aufgrund der Äußerungen eines Opfers wurde erst in dieser Woche in den meisten Medien über den Richterspruch berichtet.

"Das Urteil empfinde ich als heilsam, obwohl drei Jahre sehr wenig sind angesichts des Schadens, den diese Frau verursacht hat", sagte Silvia Albarenque, ein Opfer der als Mutter María Isabel von der Heiligsten Dreifaltigkeit bekannten Oberin. Für sie sei die offizielle Bestätigung, dass "diese Vorfälle stattgefunden haben und als Straftaten verurteilt wurden", sehr wichtig, so Albarenque, die sich nach eigenen Angaben komplett von der Kirche entfernt hat. Bereits drei Jahre vor Bekanntwerden des Missbrauchs durch die Superiorin habe sie den Verantwortlichen in der zuständigen Diözese von den Taten der Ordensfrau berichtet, woraufhin jedoch keine Verbesserung der Situation eingetreten sei. Bei ihrem Bericht über die Misshandlungen habe sie "Schuld und Angst" gefühlt.

Vatikan enthob Superiorin ihres Amtes

Der Fall um die Misshandlungen in dem argentinischen Konvent kam 2016 durch journalistische Recherchen ans Licht. Die Vorsteherin widersetzte sich damals den polizeilichen Untersuchungen, weshalb die Ermittler mit Gewalt in das Kloster eindringen mussten. Dort beschlagnahmten sie Knebel, Peitschen und Büßergewänder. Der Vatikan enthob die Superiorin nach Bekanntwerden der Vorfälle ihres Amtes und schickte sie in ein Kloster in der Hauptstadt Buenos Aires, wo eine medizinische Behandlung aufgenommen wurde.

Zwei ehemalige Novizinnen bezeichneten das Leben in dem Konvent in der anschließenden Gerichtsverhandlung als "Hölle voller Demütigungen, ausufernden Kontrollen und Bestrafungen". Zudem wurden 15 weitere Zeugen aus dem Kloster, Angehörige der Opfer und medizinisches Personal vernommen. Die Unbeschuhten Karmelitinnen leben in einer strengen Klausur und haben in der Regel nur sehr begrenzt Umgang mit Personen außerhalb des Klosters. (rom)