Standpunkt

Heilsgeschichte mit Volkswagen

Aktualisiert am 01.02.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Das nächste Elektroauto von Volkswagen soll "Trinity" – also Dreifaltigkeit – heißen. Abtpräses Jeremias Schröder fragt sich, was die Wolfsburger damit bezwecken – und ob das erst der Auftakt für weitere biblische Autonamen ist.

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In meinem Kloster mit seinen rund 90 Mönchen fahren wir vor allem Volkswagen. Der Fuhrpark geht von ziemlich groß bis klein und von fast neu bis sehr, sehr alt – darunter ein Käfer mit Winkern. Junge Leser müssen das vermutlich erstmal googlen.

Volkswagen weiß wohl, dass man klosterseitig recht treu ist, denn Religion wird in Wolfsburg merklich wichtiger. Der nächste Elektro-VW soll "Trinity" heißen, also Dreifaltigkeit. Ganz stilsicher wirkt das allerdings nicht – ist vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen. Allerdings regt so eine metaphysische Aufladung von Alltagsgeräten kaum noch jemanden auf. Man muss fast auf die letzten christlichen Empörungsreserven hoffen – "katholische“ Webseiten in Österreich und so.

Aber bevor die Attacke beginnt, gilt es kurz einzuhalten. Es könnte auch sein, dass bei Volkswagen nur die Filmserie Matrix nachgespielt wird: die dortige Messiasfigur Neo war ja schon Namensgeber für den letzten Elektro-VW, und eine Frau namens Trinity gibt es da auch. Beim nächsten Schritt muss sich VW dann aber offenbaren: wenn es nach der Matrix geht, dann wäre Morpheus dran. Diese Spielfilmfigur trägt den Namen des griechischen Gottes der Träume und des Sterbens. Vielleicht etwas für ein selbstfahrendes Auto? Hm.

Oder es bleibt bei der christlichen Metaphysik, dann geht nach der Dreifaltigkeit eigentlich nur noch "Gott" – oder vielleicht "Allah". Das wäre zwar mutig, aber auch recht dreist. Ich selber fand die Autoserie mit Luft- und Meeresströmungen ganz angemessen: Golf und Passat. Das hatte mit Bewegung zu tun und war doch etwas demütiger.

Aber vielleicht hat die Marketing-Abteilung des weltgrößten Autoherstellers auch nur erkannt, dass biblische Symbolvorlagen einen beinahe unerschöpflichen Schatz an Anregungen bieten, mit dem sich viele Entwicklungswege abdecken lassen. Für Autos mit explodierenden Batterien käme etwa der Name "Elia" in Frage (2 Könige 2,11), und für betrügerische Dieselaggregate eignet sich "Judas".

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.