Nutze die Mystik des Winters für Neues
Rückzug und Kraftquelle für Natur und Seele

Nutze die Mystik des Winters für Neues

Spiritea - Die kalte Jahreszeit kommt oft trüb und abweisend daher. Doch das ist nur eine Seite des Winters. Mit einem frischen Blick offenbart sich eine große Mystik in der Natur, die ein Sinnbild für das ganze Leben sein kann – ein genauer Blick lohnt.

Von Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 04.02.2021

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Der Winter ist eine herausfordernde Zeit: Die Tage sind kurz und dunkel, die Luft ist kalt und die Natur hat sich in sich selbst zurückgezogen. Für viele Menschen ist das ein Anlass, sich auch selbst etwas zurückzuziehen, zu Hause zu bleiben, mal wieder ein Buch zu lesen oder eine Kerze anzuzünden. Dieser Rückzug birgt auch die Gefahr, völlig in sich selbst zu versinken und den Kontakt zur Welt und damit auch eine reflektierte Position zum eigenen Ich zu verlieren – die Winterdepression ist ein geläufiges Stichwort.

Doch der Winter ist nicht nur Rückzug, er birgt ein Gleichnis, eine Atempause des Lebens, die jeder Einzelne für sich nutzen kann: Wenn sich nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie viele Menschen zurückziehen, scheint die Welt auf einmal viel leerer zu sein. Es ist mehr Platz für eigene Gedanken. Gleichzeitig ist die Luft viel klarer als an heißen Sommertagen, und weil die Bäume und Sträucher keine Blätter tragen, scheint das zitronengelbe Sonnenlicht durch sie hindurch. Diese Klarheit kann eine Chance sein, die Mystik des Winters zu entdecken.

Die Natur auf Sparflamme gibt den Blick auf das Wesentliche frei – Äste und Wurzeln bleiben, wo der frische Herbstwind viele Zweige weggefegt hat. Die Bäume sehen kahl aus, ohne besseres Wissen könnte man sie für tot halten. Doch das ist nicht der Fall. Es gehört zum Kreislauf des Lebens dazu, dass es Leerstellen, Verweilen, innere Sammlung gibt. Diese Momente darf man nicht als Mangel auffassen, sondern als Chance für Neues, als Gelegenheit, Altes abzuwerfen und sich dem nächsten Frühling zuzuwenden. Die Bäume sind hier ein guter Ratgeber: Wenn sie ihre Blätter im Herbst abgeworfen haben, lassen sie nicht direkt neue wachsen, sie schicken auch keine Blüten in die Welt. Sie sammeln sich, überwinden die kältesten Tage zurückgezogen in ihre Wurzeln, um daraus zu wachsen.

Hoffnung auf den nächsten Frühling

Warum tun sie das? Weil sie auf den nächsten Frühling und neue Wärme hoffen! Genauso sollten es die Menschen auch tun. Der Winter ist eine Zeit der Hoffnung. Genauso, wie wir vor dem Abend keine Angst mehr haben, weil wir wissen, dass ein neuer Morgen kommt, dürfen wir die Kargheit des Winters genießen.

Der Samen wächst von ganz allein

Sehr schön drückt das ein Gleichnis Jesu aus der Bibel aus: "Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da." (Mk 4,26-29) Wir dürfen Hoffnung haben auf den Kreis des Lebens, der uns vom Winter immer wieder in den Frühling spült. Auf die großen Dinge können wir nur hoffen, vieles liegt nicht in unserer Hand.

Beim Gang durch die winterlich reduzierte Welt kann ein Blick auf die Wurzeln helfen. Aus ihnen wird die Natur wiederkommen. Im Frühling werden sie das Kraftzentrum des Neuaufbruchs – doch niemand kann rastlos durcharbeiten. Deswegen genießt die Natur nun den Rückzug, die Ruhe in ihrem Fundament. Auf welche Wurzeln kannst du dich zurückziehen? Was macht dich stark und entlockt dir Blüten zur richtigen Zeit? Was kannst du fallen lassen, wo willst du neue Blüten treiben? "Mit meinem Nest werde ich verscheiden und gleich dem Phönix meine Tage mehren. Meine Wurzel reiche bis an das Wasser, Tau nächtige auf meinen Zweigen. Neu bleibe mir meine Ehre, mein Bogen verjünge sich in meiner Hand." (Hi 29,18-20) Hiob bringt es auf den Punkt: Ruhe kann die Hoffnung auf die Zukunft entfachen und das Vertrauen in sich selbst stärken. Mit beidem gerüstet kann man manches fallen lassen und Neues versuchen.

In dieser Hinsicht kann der Winter im besten Sinne eine Zeit der Besinnung sein. Geh also raus aus deiner Wohnung, setz dich der Kälte für eine Zeit aus und beobachte, wie die Natur ruht und sich auf das Wesentliche reduziert. Lass deine Gedanken zwischen den kahlen Zweigen schweifen und sauge die abwartende Mystik dieser Zeit in dich ein. Noch sind die Sonnenstrahlen sanft, nur ein schwacher Schimmer auf der Haut. Kräfte vergegenwärtigen, die Wurzeln stärken. Dann können mit dem Lauf des Lebens auch wieder neue Knospen sprießen.

Von Christoph Paul Hartmann

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