Synodaler Weg: Voderholzer hat Eindruck "autoritärer Willkürherrschaft"
"Format im rechtsfreien Raum" – Offener Brief fordert Transparenz

Synodaler Weg: Voderholzer hat Eindruck "autoritärer Willkürherrschaft"

Wieder äußert der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer massive Kritik am Synodalen Weg: Es sei nicht klar, wer warum an der Online-Versammlung teilnehmen dürfe, schreibt er in einem Offenen Brief. Nun will der Bischof mehr Transparenz von der Führung.

Regensburg - 04.02.2021

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer übt massive Kritik an der Online-Versammlung des Synodalen Wegs und fordert mehr Transparenz der Leitungsgremien. In einem am Mittwoch auf der Webseite des Bistums veröffentlichten Offenen Brief schreibt der Bischof, es dränge sich der Eindruck auf, "dass der Umstand, dass die Online-Konferenz nicht in der Satzung definiert ist, ausgenutzt wird, wenn nicht sogar bewusst so gewählt wurde, um größeren Handlungsspielraum in der Zusammensetzung zu haben". Mit dem Synodalen Weg sei man den rechtlichen Vorgaben eines Partikularkonzils entgangen und habe ein "Format im rechtsfreien Raum" konzipiert. Um "den bisweilen aufkommenden Eindruck autoritärer Willkürherrschaft den Boden [zu] entziehen", schlägt Voderholzer vor, die Sitzungsprotokolle von Präsidium und erweitertem Präsidium zu veröffentlichen.

Der Bischof kritisiert unter anderem den Umgang mit der Abstimmung über ein digitales Format der Synodalversammlung. Bei einer Wahlbeteiligung von 78 Prozent der Mitglieder der Synodalversammlung hatten 61 Prozent dafür gestimmt, die Synodalversammlung online zu veranstalten. "Die Argumentation des Präsidiums lautete: 61 % von 78 % sind ja nur 48 %, und somit weniger als die Hälfte der Mitglieder", so Voderholzer: "Was für ein Demokratieverständnis!" Dennoch findet am Donnerstag und Freitag eine Online-Konferenz des Synodalen Wegs statt, allerdings ohne Beschlussfassung.

Vorwurf: Teilnahmezahlen sollen geschönt sein

In seinem Brief analysiert Voderholzer außerdem die Anmeldeliste, die für angemeldete Teilnehmer auf dem Portal online-sw.de sichtbar ist. Demnach seien 251 Personen für die Online-Konferenz angemeldet. Die Synodalversammlung selbst hat 230 Mitglieder. Die höhere Zahl erkläre sich dadurch, dass zusätzlich zu den Mitgliedern auch diözesane Ansprechpartner für den Synodalen Weg angemeldet seien, die bei der Vollversammlung und den Regionenkonferenzen nicht teilnehmen konnten. Voderholzer äußert die Vermutung, dass die Anmeldung dieser Gruppe ermöglicht wurde, "um vielleicht die Zahlen der Anmeldung zu schönen". Zudem kritisiert er, dass die Teilnahme der diözesanen Verantwortlichen in der letzten Pressemeldung des Synodalen Wegs "verschwiegen" werde. Voderholzer konstatiert, dass die Beteiligung "eher gering" ausfalle: "Lediglich 80 % der Mitglieder der Synodalversammlung haben sich angemeldet, nur 61 % der Beobachterinnen und Beobachter, 62 % der Beraterinnen und Berater und nur 50 % der extra zusätzlich eingeladenen diözesanen Ansprechpartner", so der Bischof. Stattdessen finde man Namen, die keiner dieser Gruppen zugehörten, "und man fragt sich, welche Rolle diese in der Online-Konferenz einnehmen". Zu den zusätzlichen Personen gehört laut Voderholzer unter anderem der ehemalige Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Pater Hans Langendörfer.

Voderholzer gehört zu den deutlichsten Kritikern des Synodalen Wegs. Eine Reihe von Forderungen seien zum Gegenstand hoher Erwartungen geworden. "Sie stehen aber klar im Widerspruch zur Lehre der Kirche und deshalb bergen sie die Gefahr der Spaltung", sagte der Regensburger Bischof im vergangenen September. Davor hatte er bereits die Wissenschaftlichkeit der MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen und damit die Diskussionsgrundlage des Reformprozesses infrage gestellt. Zudem hatte er sich gegen die Abhaltung von Regionenkonferenzen gewandt und gegen die Satzung des Synodalen Wegs gestimmt. Am Dienstag beklagte er in einer Predigt "Stimmungsmache gegen Bischöfe" in der Gesellschaft und wandte sich gegen Kräfte, "die die Kirche nach den Vorstellungen eines demokratisch regierten Gemeinwesens umgestalten und neu erfinden wollen". (fxn)