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Stimmrecht für eine Frau – der Vatikan bewegt sich doch

Bei der nächsten Bischofssynode wird erstmals eine Frau Stimmrecht haben. Das ist ein gutes Zeichen, meint Agathe Lukassek. Aber auf die Berufung von Nathalie Becquart zur Untersekretärin müssten noch weitere Schritte folgen.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 09.02.2021

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Eine Personalie, die der Vatikan am Wochenende bekanntgab, hat es in sich: Die Theologin, Philosophin und Soziologin Nathalie Becquart wird Untersekretärin der Bischofssynode. Die Französin ist eine von aktuell nur fünf Frauen auf dieser Position – Untersekretäre zählen zur Führungsspitze einer päpstlichen Behörde. Die Besonderheit bei Becquart ist, dass sie nun qua Amt bei Bischofssynoden stimmberechtigt ist. Sie ist die erste Frau mit Stimmrecht.

Noch 2018 hatten Frauen während der Jugendsynode vor den Toren des Vatikans eben für jenes Stimmrecht demonstriert. Denn es gab damals einen synodalen Präzedenzfall, allerdings nicht für die Frauen: Zwei männliche Laien, beide nicht geweihte Ordensbrüder, waren stimmberechtigte Vertreter der Orden. Nun folgt also der nächste Schritt. Papst Franziskus macht nicht nur ernst in der stetigen Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen in den Vatikanbehörden, sondern zeigt, dass die Priesterweihe keine Voraussetzung mehr für das Stimmrecht bei der Bischofssynode ist.

Die Kirche bewegt sich also doch und mit dieser guten Nachricht könnte dieser Standpunkt eigentlich zu Ende sein. Ein Gedanke noch zur Person Becquarts, die die TAZ wegen ihrer Studienabschlüsse an renommierten Hochschulen als "nicht nur qualifiziert, sondern fast überdiplomiert" bezeichnet: Darauf angesprochen, die erste Frau in dieser Position zu sein, sagte die Ordensfrau der Xaviere-Schwestern, sie "sehe es als eine zusätzliche geistige Anforderung". Becquart verriet zugleich Vatican News, dass ihr dabei das Vorbild der Führungsfrauen im Vatikan helfe. Durch bisherigen berufliche Kontakte kenne sie drei Untersekretärinnen persönlich und habe gesehen, wie sie ihre Mission ausführen.

Es braucht also weibliche Vorbilder und weitere Schritte im Vatikan hin zu mehr Frauen mit Stimmrecht bei Synoden. Denn niemand kann verlangen, dass Schwester Becquart die eine Stimme für die Hälfte der Menschheit – oder zumindest für die Hälfte der 1,3 Milliarden Katholiken – ist.

Von Agathe Lukassek

Die Autorin

Agathe Lukassek ist Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Hildegardis-Verein mit Sitz in Bonn.

Hinweis

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