Spirituell leben in unsicheren Zeiten
Persönliches und soziales Bewusstsein

Spirituell leben in unsicheren Zeiten

Spiritea - Die Unsicherheit gehört zum Leben – und macht doch vielen Menschen Angst, nicht zuletzt in der Corona-Pandemie. Doch wie kann Spiritualität in einer Zeit gelingen, in der nicht einmal der nächste Monat planbar ist? Tipps und Impulse, wie es trotzdem geht.

Von Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 15.03.2021

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Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist unser Leben unübersichtlich, oft zu schnell und unvorhersehbar geworden. Maßnahmen des Infektionsschutzes machen nun selbst die Planung des nächsten Monats schlechterdings unmöglich. Das belastet viele Menschen – völlig zu Recht. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, auf die eigene geistige Gesundheit zu achten.

Unsicherheit ist zunächst einmal etwas zutiefst Menschliches. Im Alltag fühlen sich viele Menschen immer wieder "unsicher stehend, vom Wind geschüttelt und von der Gewalt der Stürme entwurzelt". (Weish 4,4) Das ist ein Teil des Lebens, des Menschseins überhaupt: "Unsicher sind die Überlegungen der Sterblichen und einfältig unsere Gedanken; denn ein vergänglicher Leib beschwert die Seele und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Verstand. Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was auf der Hand liegt; wer ergründet, was im Himmel ist?" (Weish 9,14-16) In einer Zeit sowohl – positiv gesehen – vieler Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten, sich beruflich und persönlich zu interessieren, wie auch auf der anderen Seite ebenso vieler Zwänge, wirtschaftlich und gesellschaftlich, ist die Unsicherheit ein beinahe zwingender Faktor des Lebens in einer sich scheinbar immer schneller bewegenden Welt geworden.

Viele Menschen vereint die Sehnsucht nach Glauben und Halt, aber auch nach persönlicher Nähe. Beides ist Teil des gleichen Prozesses, eines spirituellen Lebens in der Unsicherheit. Das Buch der Weisheit gibt hier tatsächlich einen Tipp: "Durch die Weisheit wurden sie gerettet." (Weish 9,19) "Weisheit" kann hier heißen, zur Ruhe zu kommen, aber dabei nicht stehen zu bleiben.

Persönliche Bewusstseinswerdung

In persönlicher Hinsicht steht auf dem Weg zu dieser "Weisheit" im Mittelpunkt, sich des eigenen Selbst bewusst zu werden. Nimm dir Zeit, setz dich gerade hin und entzünde vielleicht eine Kerze, deren Flamme du mit deinen Blicken folgen kannst. Nimm deine Bedürfnisse wahr – geistig wie körperlich: Fehlt dir Bewegung, eine andere Ernährung? Oder liegt es vielleicht an geistigen Impulsen? Willst du mal wieder neue Musik kennenlernen oder ein Buch lesen, das dich nicht nur unterhält, sondern auch mit neuen Sichtweisen in Berührung bringt? Sich diese Bedürfnisse klar zu machen, ist ein wichtiger erster Schritt. Wer nicht von allein darauf kommt, kann sich von seit Jahrhunderten vollzogenen Ritualen helfen lassen: Denn in einer Situation der Unsicherheit und Selbstfindung kann die meditative Wiederholung etwa eines Gebets bei der Erdung des eigenen Ichs helfen – das versucht zum Beispiel das Rosenkranzgebet aus der europäischen Tradition.

Schilder mit den Sprachen, in denen gebeichtet werden kann.
Bild: © katholisch.de

Vielleicht mal eine neue Sprache lernen?

Wichtig ist, nicht dabei stehen zu bleiben. Mach etwas aus deinen Bedürfnissen: Lern eine neue Sprache, strick deinen ersten Pullover, lies das Buch eines asiatischen Gurus oder schau dir Dokumentationen über die Geheimnisse der Tiefsee an. Impulse außerhalb des eigenen Alltags, die zudem über die tägliche Praxis hinausgehen, bereichern deinen Geist und erweitern deinen Horizont – das ist auch ein Gewinn für die seelische Gesundheit. Wichtig ist dabei, sich diesen Interessensfeldern ohne kompetitive Aspekte zu widmen: Dein Italienisch muss nicht nach drei Wochen auf Muttersprachlerniveau sein – das würde zu viel Druck bedeuten. Gib dir Platz für dich, in dem es nicht gleich auf messbaren Erfolg ankommt. Gleichzeitig kannst du so Überflüssiges in deinem Alltag identifizieren und aussortieren. So entsteht der neue Platz.

Mindestens genauso wichtig wie die persönliche Komponente ist auch das soziale Leben, besonders in einer Zeit der Kontaktbeschränkung. Ruf Freunde an, schreib alten Schulkameraden und entwickle deine sozialen Kontakte fort. Hast du etwas auf dem Herzen, mit dem du niemanden belasten willst? Die großen Kirchen etwa bieten Seelsorge-Hotlines an, bei denen du auf geschulte Zuhörer triffst. Mach deine Sorgen und Probleme nicht mit dir allein aus. Etwas in sich hineinzufressen hilft nicht! Auch die Kommunikation lässt dich seelisch wachsen.

Vielleicht ist es am Ende ja nicht gleich die große "Weisheit", die du findest – aber doch ein ungeahntes Stück deines eigenen Selbst. In unsicheren Zeiten ist es hilfreich, die Breite der eigenen Seele und die Qualitäten der Individualität und des Kontakts mit anderen Menschen zu kennen. So wachsen deine Wurzeln tief in die Erde und die nächste etwas stärkere Böe wird es nicht gleich schaffen, dich umzuwerfen. Das ist nicht nur in der Corona-Zeit eine wertvolle Qualität.

Von Christoph Paul Hartmann

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