Lisa Koetter im Portrait
"Rücktritt Woelkis wäre Symbol, würde System aber nicht ändern"

Maria 2.0 über Kölner Missbrauchsstudie: Schweigen ist Waffe der Kirche

Beim Thema Missbrauch beobachtet Lisa Kötter von Maria 2.0 fehlendes Verantwortungsbewusstsein der Kirche. Man fühle sich nicht in der Begründungspflicht. Wichtiger als ein möglicher Rücktritt Kardinal Rainer Maria Woelkis sei daher etwas anderes.

Köln - 13.02.2021

Die Mitgründerin der Initiative Maria 2.0 Lisa Kötter wirft der katholischen Kirche fehlendes Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit sexueller Gewalt vor. "Da entblößt sich etwas, das, sagen wir mal, das hässliche Gesicht der Kirche ist", sagte die Autorin und Künstlerin am Samstag im Deutschlandfunk in einem Interview. In dem Gespräch ging es unter anderem um die Vorgänge im Erzbistum Köln.

Kötter fordert Demokratie für die Kirche

Beim Thema Missbrauch gebärde die katholische Kirche sich autoritär und fühle sich nicht in der Begründungspflicht: "Darum auch das Schweigen." Nach Kötters Worten "mauert" nicht nur Kardinal Rainer Maria Woelki. Schweigen sei eine "mächtige Waffe, die die Kirche schon immer geführt hat, wenn sie gehofft hat, die Zeit lässt Gras wachsen, das ist ja eine Methode der Kirche, die hat ja viel Zeit." Die Kirche verharre "in einer monarchischen Struktur des 19. Jahrhunderts" ohne ausreichende Transparenz, so Kötter. Es brauche Demokratie in der Kirche.

Das Problem sei nicht allein das Verhalten des Kölner Erzbischofs, sagte Kötter. Ein Rücktritt Woelkis wäre für sie lediglich "symbolhaft". "Vielleicht wäre es für viele Betroffene eine Genugtuung, das kann sein. Darum will ich die Wirkung auch nicht schmälern, die das vielleicht hätte, aber an dem System würde es erst mal nichts ändern."

Ein Neuanfang in der katholischen Kirche insgesamt nach der Aufdeckung des Missbrauchsskandals würde eine "Erschütterung des ganzen Systems" bedeuten, sagte Kötter. Zugleich betonte sie, dass es aus ihrer Sicht immer missbräuchliches Verhalten geben werde, wo es auch Menschen gebe.

Woelki räumt Fehlverhalten ein

Woelki steht unter öffentlichem Druck, weil er eine bei der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) in Auftrag gegebene Untersuchung über den Umgang aktueller und früherer Bistumsleitungen mit Fällen sexualisierter Gewalt nicht zur Veröffentlichung freigibt. Dabei beruft er sich auf andere Juristen, nach deren Einschätzung das Papier "methodische Mängel" hat. Der von ihm neu beauftragte Strafrechtler Björn Gercke soll am 18. März ein Gutachten über das Verhalten der Bistumsverantwortlichen vorlegen.

Woelki hatte bei der Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe auch eigenes Fehlverhalten eingeräumt. "Auf dem Weg habe auch ich Fehler gemacht, und die sind in der Tat schmerzlich. Ich hoffe sehr, dass der Vertrauensverlust wiedergutzumachen ist", sagte er kürzlich in der "Rheinischen Post". (gho/epd/KNA)