Papst: Beichtseelsorger dürfen nicht mit Peitsche in der Hand auftreten
Sonntägliches Mittagsgebet auf Petersplatz

Papst: Beichtseelsorger dürfen nicht mit Peitsche in der Hand auftreten

Franziskus hat die Gläubigen ermutigt, Schwäche zu zeigen und sich nach Scheitern nicht zu isolieren. Gott habe stets Mitleid – und auch in der Beichte müsse Barmherzigkeit walten. Der Papst gab auch einen Ausblick auf die bevorstehende Fastenzeit.

Vatikanstadt - 14.02.2021

Papst Franziskus hat Menschen mit der Erfahrung von Krankheit und Scheitern ermutigt, aus ihrer Isolation herauszukommen. Gott selbst habe keine Angst, "mit unseren Wunden in Berührung zu kommen", sagte der Papst beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Jesus zeige eine Liebe, "die Konventionen überschreitet und Vorurteile überwindet".

"Gott kommt uns mitleidvoll nahe"

Noch immer seien bestimmte Krankheiten und Lebensumstände mit Vorurteilen und sogar religiöser Diskriminierung belegt, sagte der Papst. "Gott ist unserem Leben nahegekommen, er hat Mitleid für die Geschicke der verletzten Menschheit und kommt, um jede Barriere einzureißen, die daran hindert, in Beziehung zu ihm, mit anderen und uns selbst zu leben", so Franziskus. Gott bleibe nicht in sicherer Distanz; "er kommt uns mitleidvoll nahe und berührt unser Leben, um es zu heilen". Auch Beichtseelsorger dürften nicht "mit der Peitsche in der Hand" auftreten, sondern müssten Barmherzigkeit zeigen, betonte der Papst.

Die kommende Fastenzeit soll nach Worten von Papst Franziskus den Glauben und das Gefühl von Hoffnung in der augenblicklichen Krise stärken. Am Aschermittwoch eröffnet der Papst die Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest mit einem Gottesdienst im Petersdom.

Bei der Feier, an der nur eine begrenzte Zahl von Gläubigen teilnimmt, wird er auch das traditionelle Aschenkreuz austeilen, ein Zeichen der Umkehr und Buße. Bereits in seiner am Freitag veröffentlichten Botschaft zur Fastenzeit hatte Franziskus besonders für Zuversicht in der Corona-Pandemie und für Hilfe für die Betroffenen geworben.

Wunsch auf "volle Einheit" der Kirchen

Zudem bekräftigte das Kirchenoberhaupt am Festtag der Slawenapostel Kyrill und Method den Wunsch nach Ökumene mit osteuropäischen Kirchen. Nach dem Vorbild der Beiden gelte es, neue Wege zur Verkündigung des Evangeliums zu finden. Zugleich solle in den Kirchen auf Fürsprache der Heiligen der Wunsch wachsen, "im Respekt vor den Unterschieden auf die volle Einheit hin fortzuschreiten".

Die Brüder Kyrill und Method hatten im 9. Jahrhundert von Byzanz aus die Missionierung der slawischen Völker betrieben. Dazu entwickelten sie eine eigene Schrift, aus der sich das heutige kyrillische Aphabet ableitet. Papst Johannes Paul II. (1979-2005) erhob sie 1980 zu Mitpatronen Europas. (gho/KNA)