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Standpunkt

"Eigentlich bin ich ein Fan des Synodalen Wegs..."

In seinem Standpunkt outet sich Pater Nikodemus Schnabel als Fan des Synodalen Wegs. Im Gespräch mit kirchlichen Freunden ringt der Benediktiner nun aber um Argumente – vor allem mit Blick auf die möglichen Ergebnisse des Reformprozesses.

Von Pater Nikodemus Schnabel |  Bonn - 16.02.2021

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Ich oute mich gleich vorweg: Eigentlich bin ich ein Fan des Synodalen Wegs – auch wenn ich ihn von Anfang an durchaus kritisch begleitet habe, gerade was seine Verweigerung einer angemessenen Repräsentanz einer postmigrantischen Kirche in Deutschland betrifft. Immer wieder habe ich mich gegen das harte Urteil vieler meiner kirchlichen Freundinnen und Freunde gestellt – und zwar sowohl aus dem progressiven, als auch aus dem konservativen Lager –, welche mir in seltener Einmütigkeit immer wieder gesagt haben: "Nikodemus, vergiss den Synodalen Weg: Er ist ein kirchenrechtlich nicht existentes Format, welches Erwartungen schürt, die es leider nicht erfüllen kann und welches enorm viel Geld kostet!"

Darauf konnte ich als leidenschaftlich im ökumenischen und im interreligiösen Dialog Engagierter immer wieder entgegnen, dass gerade inoffizielle Dialoge von enormer Fruchtbarkeit seien und durch ihren besonderen dialogischen Mut auch so etwas wie ein Laboratorium für die offiziellen Dialoge bildeten. Außerdem könne gerade der strikte Fokus auf das Thema "Missbrauch" dazu führen, dass eine gesamtkirchliche, selbstkritische Sensibilität hierfür geschaffen werde, welche breite nachhaltige Impulse für die Pastoral, die universitäre Theologie, die Erwachsenenbildung, die Kinder- und Jugendarbeit, die Ordensgemeinschaften, die Religions- und Schulpädagogik, die Katholischen Akademien, den Glauben, die Katechese, die Priesterausbildung, kirchliche Verwaltungsstrukturen und Personalpolitik etc. setzen könnte.

Daraufhin musste ich mir dann oft anhören: "Nikodemus, träum weiter! Viel zu viele der am Synodalen Weg Beteiligten verdanken ihren Posten oder ihre Position der katholischen Kirche in Deutschland und stehen teilweise sogar auf deren Gehaltsliste. Sie werden keinerlei Hemmungen haben, harte Forderungen zu formulieren, die sich an den Heiligen Stuhl richten, da dies für die allermeisten mit keinerlei persönlichen Konsequenzen verbunden ist, aber wenn es um die Kirche in Deutschland selbst gehen sollte, kannst Du Dir sicher sein, dass die Loyalitätsbande so stark sind, dass Harmonie Trumpf sein wird. Niemand beißt die Hand, die einen füttert."

Jetzt ringe ich um Argumente für eine Entgegnung. Bitte dringend um Hilfe!

Von Pater Nikodemus Schnabel

Der Autor

Pater Nikodemus Schnabel OSB ist Benediktinermönch der Dormitio-Abtei in Jerusalem und Direktor des Jerusalemer Instituts der Görres-Gesellschaft (JIGG).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.