Eine Christ in Pakistan demonstriert für seine Rechte.
Ehepaar soll blasphemische Nachrichten verschickt haben

Sorge um zum Tode verurteilte Christen in Pakistan

Im Fall eines zum Tode verurteilten christlichen Ehepaars in Pakistan fürchtet dessen Anwalt eine ausufernde Verschleppung des Berufungsprozesses. Vermutlich trauten sich die Richter nicht, eine gerechte Entscheidung zugunsten der Christen zu fällen.

Frankfurt am Main/Lahore - 15.02.2021

Nach wiederholter Verschiebung der Berufungsverhandlung gegen ein zum Tode verurteiltes christliches Ehepaar in Pakistan befürchtet ihr Anwalt eine ausufernde Verschleppung des Prozesses. Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel seien seit April 2014 nach einem Blasphemie-Urteil in der Todeszelle, zuletzt sei der Termin für den Verhandlungsbeginn auf diesen Montag gesetzt worden, sagte Anwalt Saif ul Malook dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Telefon aus Lahore. Der Gerichtstermin, bei dem er diesmal zuversichtlich gewesen sei, dass er endlich stattfinde, sei aber ohne weitere Angaben ausgefallen.

"Ich habe Angst, dass das Verfahren auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird", sagte Malook. Besonders Sorgen mache ihm auch der Gesundheitszustand von Shafqat Emmanuel. Der schwerbehinderte Mann sei völlig geschwächt und abgemagert und bekomme nicht die erforderliche medizinische Versorgung. Als Grund für das wiederholte Aufschieben der Berufungsverhandlung vermutet Anwalt Malook, dass die Richter sich nicht trauten, eine gerechte Entscheidung zugunsten der beiden Christen zu fällen. "Sie stehen unter immensem Druck", sagte er. Sie hätten Angst vor muslimischen Extremisten und fürchteten um das Wohl ihrer Familien.

Ehepaar soll Nachrichten mit blasphemischem Inhalt versandt haben

Shafqat Emmanuel und Shagufta Kausar wurden zum Tode verurteilt, weil sie Textnachrichten mit blasphemischem Inhalt versandt haben sollen. Shagufta Kausar habe ihr Handy jedoch zuvor verloren gehabt, betonte Anwalt Malook. Zudem waren die belasteten SMS-Nachrichten nach Medienberichten auf Englisch geschrieben, aber die beiden Angeklagten seien weitgehend Analphabeten.

Saif ul Malook hatte auch die Christin Asia Bibi verteidigt, die ebenfalls in Pakistan wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden war. Der Landarbeiterin war vorgeworfen worden, 2009 in einem Streit um ein Glas Wasser mit muslimischen Frauen den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Bibi war fast zehn Jahre in Haft. Im Oktober 2018 wurde sie freigesprochen, erst mehr als ein halbes Jahr später durfte sie das Land verlassen. Der Freispruch Bibis führte zu tagelangen Protesten radikal-islamischer Gruppen, Bibi selbst wurde von Extremisten bedroht. Auch Anwalt Malook sieht sich Drohungen ausgesetzt und lebt in Pakistan unter großen Sicherheitsvorkehrungen. (epd)