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Warum die "Alte Messe" polarisiert – es aber nicht muss

Bischöfe befürchten ein spalterisches Potenzial, Anhänger fühlen sich dagegen nicht genug wertgeschätzt: Lässt sich der Streitfall "Alte Messe" auflösen? Darüber macht sich Tobias Glenz im Kommentar Gedanken.

Von Tobias Glenz |  Bonn - 18.02.2021

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Die "Alte Messe" polarisiert bis heute: Für viele Katholiken stellt sie das Erkennungszeichen der Ewiggestrigen dar; derjenigen, die nicht nur Reformen in der Kirche ablehnen, sondern das Rad gleich um ein paar Jahrzehnte zurückdrehen wollen. Für die anderen handelt es sich um die "wahre" Messe, ein Gegenmittel für den liturgischen "Wildwuchs", der durch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils erst möglich wurde. Doch ist es so einfach?

Die französischen Bischöfe brachten jüngst ihre Befürchtung zum Ausdruck, dass die "Alte Messe" spalterisch wirken könnte. Diese Einschätzung ist sicher nicht unberechtigt: Auf einschlägigen Internetplattformen wird täglich gegen die Kirche des "Novus ordo" (der neuen Messordnung) gehetzt. Dabei wird deutlich, dass die "Alte Messe" nur die Spitze des Eisbergs ist: Hier wird die Kirche mit den Reformen des letzten Konzils zur Gänze abgelehnt. Wo dieser Geist herrscht, da birgt die Messe in ihrer "außerordentlichen Form" tatsächlich ein erhebliches Gefahrenpotenzial.

Doch das ist nur die eine Seite: Es soll auch solche Katholiken geben, die die alte Liturgie an sich schätzen, ohne dass gleich ein ideologischer Rattenschwanz daran hängen muss. Papst Benedikt XVI. hatte wohl genau diese Menschen im Auge, als er im Jahr 2007 per Motu proprio den Zugang zur "Alten Messe" erleichtert hat. Wenn sich also Katholiken schlicht von der außerordentlichen Form angezogen fühlen, zugleich aber auch die ordentliche Form der Messe und die Reformen des Konzils anerkennen und wertschätzen, so ist dagegen nichts einzuwenden.

Für eine friedliche Koexistenz von alter und neuer Liturgie sind wohl zwei Dinge entscheidend: Einerseits sollte der Vatikan gewisse Ungereimtheiten auflösen, sodass künftig in beiden Formen etwa eine einheitliche Leseordnung und ein einheitlicher Heiligenkalender gelten. Andererseits sollte ein Generalverdacht in den unterschiedlichen Lagern ein Ende haben: Anhänger der ordentlichen Form sind nicht zwingend radikale Reformer, die eine gänzlich "neue Kirche" wollen. Umgekehrt müssen Anhänger der außerordentlichen Form keine katholischen Hinterwäldler sein, die sich abkapseln und jeder Reform verschließen. Weniger Pauschalurteile und Polemik, dafür mehr Respekt untereinander stünden dem binnenkirchlichen Dialog insgesamt gut zu Gesicht.

Von Tobias Glenz

Der Autor

Tobias Glenz ist Redakteur bei katholisch.de.

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