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Standpunkt

Warum sollten nicht auch Bischöfe demokratisch gewählt werden?

Corona-Pandemie oder Wahlbetrugsdebatten: Die Demokratie hat es derzeit nicht leicht, kommentiert Michael Böhnke. Zum Auftakt der DBK-Frühjahrsvollversammlung hat er eine Idee, wie auch die Kirche demokratischer werden könnte.

Von Michael Böhnke |  Bonn - 23.02.2021

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Das Frühjahr ist die Saison der Mitgliederversammlungen. Doch die werden derzeit von Vereinen und Verbänden reihenweise abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Berichte und Wahlen fallen aus. Diskussion finden nicht statt. Haushalte können nicht beschlossen werden. Rechenschaftsberichte und Entlastung des Vorstands werden verschoben. Die Pandemie trifft die Demokratie an der Basis.

2021 ist ein Wahljahr. Was hat das Parlament noch zu sagen? Es wird durch die Ministerpräsidentenrunde bei der Bundeskanzlerin ausgehebelt. Gesetzgebung und parlamentarische Kontrolle werden zurückgedrängt. Die Stufen zum Parlament wurden von Rechtsradikalen gestürmt, das Parlament von Sympathisanten der AfD unterwandert. Und das Parlament selbst? Es hat sich als unfähig zur dringend gebotenen Reform des Wahlrechts erwiesen. All das trifft die Demokratie ins Herz.

Die von Trump angezettelte Wahlbetrugsdebatte und der von ihm nicht unterbundene Sturm auf den Kongress wird in anderen Ländern Nachahmer finden. Polen und Ungarn haben bereits zuvor alles getan, um Gewaltenteilung und die Unabhängigkeit der Justiz in Frage zu stellen. Es wird riskanter, für die Demokratie zu kämpfen.

"Die Kirche ist keine Demokratie." Das hört man immer wieder. Gewaltenteilung in der Kirche? Ein frommer Wunsch. Wer für die Demokratie kämpft, braucht Unterstützung. Er weiß die Kirche nicht an seiner Seite.

Obwohl? Heute beginnt die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Sie organisiert sich nach demokratischen Regeln. Der Vorsitzende, sein Stellvertreter und der Sekretär werden auf Zeit gewählt, ebenso die Mitglieder und Berater der Kommissionen. Es wird abgestimmt. Es gilt das Mehrheitsprinzip.

Warum sollten nicht auch die Bischöfe nach demokratischen Regeln gewählt werden? Professor Ratzinger hat sich schon 1969 gemeinsam mit seinen Fachkollegen der Universität Tübingen für eine Wahl der Bischöfe auf Zeit, genauer auf 8 Jahre, ausgesprochen (ThQ 149[1969], 105–116). Als Papst ist er sich gewissermaßen in diesem Punkt treu geblieben: Mit seinem Rücktritt nach 8 Jahren, bei dem er auf seine Wahl durch die Kardinäle verwiesen hat.

Die Kirche könnte viel Vertrauen zurückgewinnen, wenn Diözesanbischöfe gewählt und auf Zeit bestellt werden könnten. Und die Kirche würde denen, die für die Demokratie kämpfen, einen unverzichtbaren Dienst erweisen. 

Von Michael Böhnke

Der Autor

Michael Böhnke ist Professor für systematische Theologie an der Bergischen Universität Wuppertal. Außerdem ist er Ethik-Beauftragter des Deutschen Leichtathletikverbands.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.