Kirchen und Gewerkschaften feiern "1.700 Jahre freier Sonntag"
Bischöfe und Politiker würdigen arbeitsfreien Tag

Kirchen und Gewerkschaften feiern "1.700 Jahre freier Sonntag"

Heute vor 1.700 Jahren wurde der Sonntag zum wöchentlichen Ruhetag. Für Kirchen und Gewerkschaften ist das ein Grund zum Feiern. Für Christen sei der Sonntag der "Höhepunkt der Woche", sagte der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing.

Hannover/Berlin - 03.03.2021

Kirchen und Gewerkschaften haben am Mittwoch die Ausrufung des arbeitsfreien Sonntags vor 1.700 Jahren gefeiert. Bei einer Online-Veranstaltung der kirchlich-gewerkschaftlichen Allianz für den freien Sonntag rief der Journalist und Autor Heribert Prantl dazu auf, den Sonntag in Ehren zu halten. "Der Sonntag ist nicht irgendein beliebiger Tag", sagte er in seiner Festrede. Er sei der Tag der seelischen Erhebung und Erholung. "Das ist nicht einfach ein schönes Sprüchlein – das ist geltendes Verfassungsrecht", so der Kolumnist der "Süddeutschen Zeitung".

Anlass für das Jubiläum ist ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin vom 3. März 321, in dem er den Sonntag zum wöchentlichen Ruhetag erklärte. Prantl sagte bei der aus der Verdi-Zentrale in Berlin gesendeten Veranstaltung, er sei stolz, dass Kirchen und Gewerkschaften den Sonntag mit Klagen vor Gerichten verteidigten. Allerdings müsse man weder Christ noch Kirchgänger oder Gewerkschafter sein, um für den Sonntagsschutz einzutreten. Dies sei auch eine Frage der Tradition und des Arbeitsschutzes. Zudem takte und synchronisiere der gemeinsame freie Tag das gesellschaftliche Leben.

Zahlreiche Prominente machten sich in Videobotschaften für den Sonntagsschutz stark. "Der freie Sonntag ist ein Grundrecht, und den verteidige ich im Zweifelsfall auch gegen ökonomische Interessen", sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) betonte, dass ein gemeinsamer Ruhetag entscheidend für die Lebensqualität des Einzelnen und für das Gemeinwesen sei.

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Für die Christen sei der Sonntag wichtig, weil er der Tag der Auferstehung Jesu Christi sei, erklärte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. "Er ist der Höhepunkt der Woche und für die Ausübung unseres Glaubens zentral." Nach Worten des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ist der Sonntag gerade auch in Pandemiezeiten wichtig, "in denen uns der Rhythmus des Lebens verloren zu gehen droht." Der Münchner Kardinal Reinhard Marx erklärte, der Sonntag sei ein starkes Zeichen dafür, dass "wir nicht nur Arbeit sind und Geldverdienen und Konsum, dass es andere Dimensionen des Lebens gibt."

Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass das Jubiläum sehr aktuell sei, so Verdi-Vorsitzender Frank Werneke. Die Gewerkschaft werde sich mit den Kirchen auch weiterhin Versuchen in den Weg stellen, den Sonntagsschutz zu kippen. Ein verkaufsoffener Sonntag sei auch ökonomisch Unfug, ergänzte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. "Dadurch würde nicht eine Jeans, nicht ein Kochtopf mehr verkauft."

Liberale bekräftigen Forderung nach Sonntagsöffnungen

Auch die Linke warnte vor zunehmender Sonn- und Feiertagsarbeit in Deutschland. Inzwischen würde fast jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland mindestens einmal im Monat sonntags arbeiten, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Susanne Ferschl der "Augsburger Allgemeinen" (Donnerstag).

Die Liberalen bekräftigten dagegen ihr Forderung, Sonntagsöffnungen auch ohne speziellen Anlass zu ermöglichen. Das Arbeitsverbot an Sonntagen sei Ausdruck einer Lebensrealität, die so nicht mehr existiert, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Reinhard Houben. Zugleich seien Sonntagsöffnungen im Sinne vieler Beschäftigter, weil sie erfahrungsgemäß an Sonntagen deutlich mehr Geld verdienten als an Werktagen. (KNA)