Ein Stück Butter mit Vatikanflagge vor dem Wappen des Vatikans
25 Tonnen jährlich für Papst und Kirchenstaat

Warum der Vatikan seine Butter in Österreich kauft

Die Butter im Vatikan-Supermarkt ist in weiß-gelber Verpackung. Doch es sind nicht die Farben des Kirchenstaats – sondern die eines österreichischen Traditionsherstellers. Warum der Vatikan seine Butter in Österreich kauft, verrät der Geschäftsführer der Molkerei-Genossenschaft mit dem Vertrauen des Papstes.

Von Felix Neumann |  Bonn - 06.03.2021

"Stößt man Milch, so gibt es Butter", weiß schon die Bibel (Spr 30, 33). Österreich ist bekannt für seine gute Milch: Die kleinbäuerlichen Betriebe, die guten Weiden auf den Bergen – das weiß man auch im Vatikan zu schätzen. Italien dagegen ist eigentlich nicht für seine besondere Butterliebe bekannt: Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 2,84 Kilogramm pro Jahr liegt das Mittelmeerland weit abgeschlagen auf Platz 28 hinter dem Spitzenreiter Neuseeland, wo die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen in ihren Statistiken zuletzt 9,25 Kilogramm Verbrauch ausgewiesen hat. Im Vatikan setzt man auf österreichische Butter – und zwar auf die Sorte, die bereits Königin Victoria geschmeckt hat. Josef Braunshofer, der Geschäftsführer der Molkerei-Genossenschaft verrät im katholisch.de-Interview, wie es ist, Lieferant des Papstes zu sein.

Frage: Herr Braunshofer, zwischen Schärding und dem Vatikan liegen 730 Kilometer Luftlinie und die Alpen – warum kauft der Papst seine Butter nicht im Lebensmittelhandel nebenan, sondern bei Ihnen?

Josef Braunshofer: Wir führen das auf unsere extrem gute Qualität zurück. Er könnte übrigens auch im Lebensmittelhandel nebenan einkaufen: Im Vatikan-Supermarkt gibt es unsere Butter.

Frage: Und wie kam es dazu?

Braunshofer: Es gibt unsere Firma seit 1900, und Butter war das erste Produkt, mit dem sich unsere Genossenschaft beschäftigt hat. Wir liefern seit mehr als 35 Jahren in den Vatikan und meinen schon, dass offensichtlich unsere Qualität immer Gefallen gefunden hat, und dass die Butter den dort Tätigen gut getan hat, wer immer sie genossen hat.

Josef Braunshofer ist Geschäftsführer der Berglandmilch

Josef Braunshofer ist Geschäftsführer der Berglandmilch, die Schärdinger Butter vertreibt – bis in den Vatikan. Der Diplom-Ingenieur kennt den Papst zwar nicht persönlich – aber er war zehn Jahre lang Ministrant.

Frage: Vielleicht sogar der eine oder andere Papst?

Braunshofer: Ob sie bis ganz nach oben ging? Ich denke schon, ich hoffe es. Päpste werden in der Regel ja sehr alt – auch der aktuelle Altpapst aus Deutschland, vielleicht auch, weil er unsere Butter gegessen hat. Wir können es nicht ausschließen.

Frage: Papst Franziskus wurde gerade wegen seiner Ischias-Beschwerden auf Diät gesetzt. Ist Butter da eine gute Idee auch für ihn?

Braunshofer: Unbedingt, Butter ist gesund! Butter ist ein reines Naturprodukt, es wird nichts hinzugefügt, nichts weggenommen. Wir haben eine ganz besondere Milchqualität in Österreich. Unsere Kühe fressen viel Gras, und je mehr Gras eine Kuh frisst, desto besser die Streichfähigkeit. und das gefällt offensichtlich auch dem Vatikan, was uns freut.

Frage:  Wie kam der Kontakt mit dem Vatikan vor 35 Jahren zustande?

Braunshofer: Das haben meine Vorvorgänger eingefädelt, und wir sind einfach drangeblieben.

Frage: Noch früher war Königin Victoria bei Ihnen Kundin – das steht auch auf der Verpackung. Der Vatikan wird da nicht erwähnt. Warum firmieren Sie nicht als Hoflieferant seiner Heiligkeit?

Braunshofer: Wir sind vorsichtig damit, die Kirche als Werbeträger einzuspannen. Aber Sie bringen mich da auf eine gute Idee!

Frage: Von welchen Mengen reden wir eigentlich? Wie viel Bedarf an Butter hat so ein Kirchenstaat?

Braunshofer: Das sind keine großen Mengen. Es geht um 100.000 Packungen mildgesäuerte Butter à 250 Gramm, also pro Jahr 25 Tonnen. Solche Mengen würde jeder deutsche Molkereigeschäftsführer zum Lachen finden – aber wir sind zufrieden damit.

Frage: Pro Kopf sind das aber ordentliche Mengen: Der Vatikan hat etwa 500 Einwohner, das sind pro Person und Jahr also immerhin 50 Kilo Butter – dabei ist die italienische Küche eher für Olivenöl bekannt. Ich jedenfalls esse nicht so viel Butter.

Braunshofer: Das sollten Sie aber – wenn Sie die richtige Butter nehmen.

Von Felix Neumann