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Standpunkt

Wo sind die Lobbyisten der Kinder in der Corona-Krise?

In der Corona-Pandemie leiden viele Kinder unter den Schulschließungen und dem eingeschränkten Unterricht. Für Ulrich Waschki ist es ein Skandal, dass Kinder und Jugendliche in der Krise keine Lobby haben. Caritas und Diakonie könnten das ändern.

Von Ulrich Waschki |  Bonn - 11.03.2021

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Kinder und Jugendliche sind die großen Verlierer der Corona-Pandemie. Ihre Situation ist dramatisch, darüber dürfen auch die zaghaften Schulöffnungen nicht hinwegtäuschen. War vor etwa einem Jahr der erste Lockdown für viele zunächst eine willkommene Ferienverlängerung, dürften sich die meisten Mädchen und Jungen zwischen 6 und 18 Jahren derzeit nach einer Rückkehr an ihre Schule sehnen. Denn Schule ist mehr als Bildung. Schule bietet soziale Kontakte und Tagesstruktur. Ohne Schule vereinsamen Kinder. Das Homeschooling und die damit verbundene eigene Arbeitsorganisation überfordern viele. Die Mehrfachbelastung aus Arbeit, Erziehung, Homeschooling und Freizeitgestaltung führt Eltern schon lange an ihre Grenzen. Kinder- und Jugendärzte berichten von einer Zunahme von psychischen Problemen. Und sicher werden auch viele Kinder verstärkt häuslicher Gewalt ausgesetzt sein. Dazu kommen die Bildungsdefizite, die das letzte Jahr hinterlassen hat. Ob ein Kind eine Chance hat oder abgehängt wird, hängt in der Corona-Zeit stärker denn je von der Herkunftsfamilie ab.

So gravierend diese Probleme sind, so wenig kommen sie in der politischen Debatte vor. Wo sind die Lobbyisten der Kinder? In der letzten Runde der Kanzlerin mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten wurde das Schulthema ausgeklammert. Es ist ja reine Ländersache. Ohnehin macht jedes Land in diesem Feld, was es will. Die Lehrerverbände kümmern sich vor allem um den Schutz der Lehrer. Und in den Talkshows und Nachrichtensendungen sind häufiger verzweifelte Restaurantbetreiber und Hoteliers zu sehen als verzweifelte Kinder, Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter. Das muss sich ändern. Die Probleme der Kinder müssen endlich Priorität bekommen.

Ob wir zu Ostern Urlaub machen können, ist angesichts der dramatischen Situation von Kindern und Jugendlichen ein Luxusproblem. Der Osterurlaub könnte wie die anderen Lockerungen sogar zum Risiko für die Kinder und Jugendlichen werden. Weil bei steigenden Fallzahlen die Schulen ganz schnell wieder geschlossen werden. Und auch nach einem Jahr Pandemie kreative Lösungsvorschläge fehlen, wie möglichst viel Alltag für Kinder und Jugendliche gerettet werden kann. Dabei hatten Expertinnen und Experten wie die Soziologin Jutta Allmendinger schon früh solche Lösungen vorgeschlagen. Dafür ist es jetzt wahrscheinlich zu spät. Nahender Frühling und Impfungen helfen hoffentlich. Es bleibt aber ein Skandal, wie Kinder und Jugendliche gesellschaftlich vernachlässigt werden.

Um die Folgen der Pandemie zu bewältigen, werden Gelder in Milliardenhöhe bereitgestellt. Kinderschützer, Jugendverbände, Kinder- und Jugendärzte, Kirchen, Caritas und Diakonie sollten in einem breiten Bündnis Druck machen, dass diesmal an die Kinder gedacht wird und stattliche Summen zum Beispiel in den Ausbau von sozialpädagogischen Hilfsangeboten und psychologischen Beratungsstellen, in Förderung von Nachhilfe und Freizeitangeboten fließen. Wenigstens das.

Von Ulrich Waschki

Der Autor

Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.