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Man kann Bischof Timmerevers dankbar sein

In Pakistan werden Christen verfolgt, dennoch liefert Deutschland Rüstungsgüter dorthin und schiebt Menschen in das Land ab, kritisiert Christoph Strack. Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers habe sich jedoch gegen eine Abschiebung eingesetzt.

Von Christoph Strack |  Bonn - 18.03.2021

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Man kann dem Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers dankbar sein. Persönlich setzte er sich bei Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer für die Aussetzung der Abschiebung von Faisal Jahangir ein, einem 2008 aus Pakistan nach Deutschland geflohenen Katholiken. Der Bischof selbst sprach mit dem 41-Jährigen in dessen Abschiebehaft. Nach vielfältigen Protesten wurde die für den gestrigen Mittwoch vorgesehene Abschiebung kaum einen Tag zuvor ausgesetzt. Vielleicht darf Jahangir als "Härtefall" dauerhaft bleiben.

Pakistan zählt zu den Ländern mit der weltweit stärksten Christenverfolgung. In dem Land sitzt derzeit ein christliches Ehepaar nach einem Blasphemie-Urteil in der Todeszelle. Auch Dutzende Ahmadiyya-Muslime in Deutschland fürchten derzeit ihre Abschiebung nach Pakistan. Sogar Eltern mit Kindern, die in Deutschland geboren wurden, die selbst noch nie in Pakistan waren. Auch sie hatten an diesem Mittwoch Glück mit der Abschiebung. Dabei werden Ahmadis in Pakistan strukturell ausgegrenzt. Viele pakistanische Muslime halten Ahmadis für Abtrünnige. Immer wieder kommt es zu gezielten Tötungen. Großbritannien, die USA, die Niederlande schieben Ahmadis seit längerem nicht ab – Deutschland schon.

Verrückt mutet es angesichts dieser Gemengelage an, dass Deutschland geradezu treu Rüstungsgüter nach Pakistan exportiert. Im Dezember legte die ökumenische "Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung" (GKKE) ihren "Rüstungsexportbericht 2020" vor. In der Kategorie "Entwicklungsländer als Abnehmer deutscher Rüstungslieferungen" finden sich Ausfuhrgenehmigungen nach Pakistan im Umfang von 63,3 Millionen Euro. Die Menschenrechtssituation in dem Land bewertet GKKE kurz und knapp als "sehr schlecht". Aber das reicht. Für Waffendeals. Und für Abschiebungen. 

Die Bundesregierung hat seit bald drei Jahren erstmals einen "Beauftragten für weltweite Religionsfreiheit". Der engagierte CDU-Politiker Markus Grübel setzt sich immer mal wieder hinter den Kulissen für Gefährdete ein. Aber wie bei so manchem der so vielen Regierungs-Beauftragten im politischen Berlin: Gelegentlich wirkt es so, als lese dann die "große" Politik Berichte und Mahnungen nicht mehr. Nach Pakistan kann man nicht guten Gewissens abschieben. Und Rüstungsgeschäfte verbieten sich.

Von Christoph Strack

Der Autor

Christoph Strack ist Leiter des Bereichs Religionen der Deutschen Welle.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.