Blick durch eine leicht geöffnete Kirchentür auf ein Kruzifix
Wegen Versäumnissen im Umgang mit Missbrauchsfällen

Vatikan verhängt Disziplinarstrafen gegen polnische Bischöfe

Wegen Versäumnissen bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs hat der Vatikan Strafen gegen zwei polnische Bischöfe verhängt. Die Strafen seien das Ergebnis einer abgeschlossenen Untersuchung. Angaben über die konkreten Fehler gibt es bisher nicht.

Warschau - 29.03.2021

Wegen Versäumnissen beim Umgang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hat der Vatikan Disziplinarstrafen gegen zwei polnische Bischöfe verhängt. Dem früheren Danziger Erzbischof Slawoj Leszek Glodz (75) und dem 2020 von Papst Franziskus suspendierten und später zurückgetretenen Bischof von Kalisch (Kalisz), Edward Janiak (68), wurde die Teilnahme an öffentlichen Gottesdiensten und "weltlichen Zusammenkünften" in ihren früheren Diözesen untersagt, wie die Vatikanbotschaft in Warschau am Montag mitteilte. Zudem müssen beide Geistliche außerhalb ihrer Bistümer wohnen und jeweils eine "angemessene Summe" an die Sankt-Josef-Stiftung zahlen. Die von Polens Bischofskonferenz gegründete Stiftung fördert Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt und hilft Missbrauchsopfern.

Die Botschaft machte keine Angaben zu konkreten Fehlern der beiden Bischöfe. Sie nannte auch nicht die Beträge, die sie der Kirchenstiftung zahlen müssen. Die Strafen seien jeweils das Ergebnis einer abgeschlossenen Untersuchung mutmaßlicher Versäumnisse der Bischöfe in Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Geistliche sowie in anderen Fragen der Verwaltung ihrer Bistümer, erklärte die Botschaft hingegen.

Die Entscheidung des Vatikan erregte in Polen viel Aufsehen. Die linke Abgeordnete Joanna Scheuring-Wielgus bezeichnete sie auf Twitter als "bahnbrechend". Der Theologe und Publizist Tomasz Terlikowski sprach von einem "wichtigen Signal" und einer "symbolischen, aber wesentlichen Anerkennung der Verantwortung beider Bischöfe für Versäumnisse und die Deckung von Sexualverbrechen". Dennoch handele es sich um einen "unvollständigen Schritt auf einem wichtigen Weg". Er kritisierte, dass die Vatikanbotschaft nicht bekanntgegeben habe, wofür genau Glodz und Janiak bestraft wurden. Es sei zudem fraglich, ob "kleine, administrative Unannehmlichkeiten" als Strafe genügten.

Erzbischof Slawoj Leszek Glodz

Er habe sich an die Vorschriften gehalten und bei Verfahren gegen Kleriker "keine Langsamkeit" an den Tag gelegt, sagt der frühere Danziger Erzbischof Slawoj Leszek Glodz. Nun hat der Vatikan auch gegen ihn Disziplinarstrafen verhängt.

Glodz war von 2008 bis zu seinem 75. Geburtstag im August 2020 Erzbischof in der Ostseestadt Danzig (Gdansk). Im Herbst hatte der Vatikan den Warschauer Kardinal Kazimierz Nycz beauftragt, zu untersuchen, ob Glodz Maßnahmen gegen sexuellen Kindesmissbrauch vernachlässigt habe. Bereits im Oktober 2019 hatten sich 16 Priester des Erzbistums in einem gemeinsamen Schreiben an den päpstlichen Botschafter in Warschau unter anderem darüber beschwert, dass der damalige Ortsbischof Anzeigen wegen sexueller Belästigungen gegen Priester vertuscht habe. 

Glodz wies die Anschuldigungen zurück. Er habe sich an die Vorschriften gehalten und bei entsprechenden Verfahren gegen Kleriker "keine Langsamkeit" an den Tag gelegt. Laut Medienberichten hatten sich Priester und Laien viele Jahre lang erfolglos über eine "Untätigkeit" von Glodz beschwert.

Janiak bereits zurückgetreten

Janiak war von Papst Franziskus im Juni 2020 beurlaubt worden. Im Oktober nahm der Papst den vollständigen Rücktritt von Janiak als Bischof von Kalisch an. Der Dokumentarfilm "Das Versteckspiel" brachte den Fall ins Rollen. Die Mutter und der Vater eines Jungen, der von einem Geistlichen sexuell missbraucht wurde, hatten ihr Gespräch mit Janiak aufgezeichnet. In der Doku ist zu hören, wie der Bischof damals den Priester gegen die Missbrauchsvorwürfe in Schutz nahm und die Eltern abwimmelte.

Der Film "Das Versteckspiel" ist die zweite viel beachtete Doku des Regisseurs Tomasz Sekielski über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche in Polen. Nach der ersten Dokumentation "Nur sag es niemandem" 2019 hatten Polens katholische Bischöfe Versäumnisse beim Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch eingeräumt. "Wir gestehen, dass wir als Hirten der Kirche nicht alles getan haben, um Leid zu verhindern", erklärten sie in einer damals in den Kirchen verlesenen Botschaft an die Gläubigen. (KNA)

29.03.21, 17 Uhr: Aktualisiert um Reaktionen aus Polen