Eine Bibel liegt auf dem Ambo vor leeren Kirchenbänken.
Oberhirten rufen zu Hoffnung und Einheit auf

Bischöfe blicken zu Ostern auf Krisen in Gesellschaft und Kirche

Zu Ostern beleuchten die deutschen Bischöfe derzeitige Krisen in Kirche und Gesellschaft, vor allem die Corona-Pandemie. Sie setzen zur Auferstehung Jesu auf Hoffnung, Solidarität und einen Neuanfang.

Bonn - 04.04.2021

Corona, Einsamkeit, Missbrauch: In ihren Osterbotschaften haben die deutschen Bischöfe derzeitige Krisen in Kirche und Gesellschaft beleuchtet. Die Oberhirten setzen auf Hoffnung, Solidarität und Einheit.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, bedauerte Skandale und Unbeweglichkeit in der katholischen Kirche. Er leide an der Kirche, "wenn sie durch Skandale gläubige Menschen ins Wanken bringt oder durch erstarrte Strukturen und mangelnde Veränderungsbereitschaft vielen den Zugang zum Glauben blockiert", sagte der Limburger Bischof am Ostersonntag.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, lobte den Einsatz von Frauen in der Corona-Krise. Unzählige Frauen bezeugten das Licht der Auferstehung, indem sie täglich für andere da seien und Licht in deren Leben brächten, sagte er in Landshut.

Woelki: Liebe als Erkennungszeichen von Ostern

Für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ist die Liebe das deutlichste Erkennungszeichen von Ostern. Das Fest zeige zudem einen Ausweg aus einer sich immer weiterverbreitenden Orientierungslosigkeit.

Auch der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer rief dazu auf, in der Pandemie nicht die Hoffnung zu verlieren. "Ostern bedeutet: Corona hat uns nicht in den Klauen. Auch der Tod besiegt uns nicht". Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr rief zu einer nachhaltigen Solidarität in der Corona-Krise auf.

Zu konkreten Hilfen für leidende Menschen rief der Freiburger Erzbischof Stephan Burger auf. Er erinnerte an das Leid der Menschen in Syrien, Myanmar, im äthiopischen Bürgerkrieg oder an die Situation von Flüchtlingen an den EU-Grenzen.

Auferstehung Jesu brachte Welt zum Leuchten

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte, so wie am Ende des Winters die Natur im Frühling neu aufblüht und neues Leben schafft, habe die Auferstehung Jesu die ganze Welt zum Leuchten gebracht. "Unsere verwundeten Seelen brauchen gerade in diesen Wochen und Monaten diese Sonne, das Aufblühen, den Glauben an neues Leben und eine Zukunft im Licht."

Bischof Oster feiert einen Gottesdienst.

Der Passauer Bischof Stefan Oster vergleicht die Auferstehung mit dem Urknall.

Der Passauer Bischof Stefan Oster verglich Ostern mit dem Urknall: Von diesem Ereignis gehe ein Lichtstrahl aus, aus dem alles heller werde. Das gelte auch für schwierige Zeiten in Kirche und Gesellschaft, etwa die Pandemie. "Aber wirklich verändern tut sich für uns erst etwas, wenn Sie selber in diesen Lichtstrahl eintreten", so Oster. Solche Durchbrüche brauche es, um im Leben und Glauben wachsen zu können.

Hilfe für Menschen am Rand der Gesellschaft

Als göttliche Initiative zum Leben bezeichnete der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker die Auferstehung. "Es geht um ein Leben, das angstfrei sein soll, in dem kein Mensch mehr sich vor anderen Menschen zu verstecken braucht und wo niemand mehr gegeißelt und durchbohrt wird, weder von bösen Blicken noch von irgendwelcher Gewalt", so der Oberhirte.

Zu Hilfen für Menschen am Rand der Gesellschaft rief der Speyerer Weihbischof Otto Georgens als Vertretung für den erkrankten Bischof Karl-Heinz Wiesemann auf. So wie Jesus ohne Angst auf alle Menschen zugegangen sei, sollten Christen solidarisch mit "den Gebeugten, mit den Unterdrückten, mit den Fremden, mit den Arbeitslosen, mit den Gefangenen" sein.

Ostern lädt nach Worten des Fuldaer Bischofs Michael Gerber ein, aufzubrechen und neue Wege zu entdecken. Gerade in schweren und spannungsvollen Zeiten brauche es dazu mutige Menschen, sagte Gerber im Fuldaer Dom. Die Osterbotschaft ermuntere, im Vertrauen auf Gott mutig neue Horizonte zu erschließen, denn Jesus gehe den Weg mit. Als Beispiele nannte Gerber etwa den NS-Widerstandskämpfer Pater Alfred Delp und den US-Bürgerrechtler Martin Luther King.

Die Hoffnung steht im Vordergrund

Für den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke ist die Auferstehung Grund zu gelebter Hoffnung. Gottes Liebe gehe durch Leiden und Krankheiten, durch die eigenen Grenzen und Fähigkeiten und erst recht durch den Tod hindurch.

Die Kirche während der Corona-Krise

Gottesdienste wurden abgesagt, Gotteshäuser geschlossen: Das Coronavirus beeinflusst auch die katholische Kirche in Deutschland und Europa. Wie geht es nun in den Bistümern weiter? Und was können die Gläubigen tun? Alles Wichtige zum Thema erfahren Sie hier.

Auch der Augsburger Bischof Bertram Meier sprach von Ostern als "kollektivem Hoffnungszeichen". Dieses sei "trotzig und frech" zu feiern, in der Gemeinschaft und auch zu Hause, um auch in Corona-Zeiten mit Zuversicht das Leben zu begrüßen. Denn dieses sei durch Christ Auferstehung stärker als der Tod.

Voderholzer: Menschen auf der Suche nach neuen Identitäten

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer betonte, durch Einsamkeit seien Menschen auf der Suche nach neuen Identitäten. Der Mensch sei jedoch als Ebenbild Gottes ein Beziehungswesen. "Gerade auch noch einmal das Gegenüber von Mann und Frau mit ihrer Offenheit auf das Dritte und damit auf die Zukunft hin ist ein wesentlicher Aspekt der Gottebenbildlichkeit", so Voderholzer. Im Ehesakrament würden Mann und Frau zum Zeichen seiner Gegenwart erhoben werden.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser bescheinigte seiner Kirche "schlechte Presse, massenhafte Kirchenaustritte, Ärgernisse im Inneren bis auf die Ebene der Chefetage und eine dunkle Geschichte von Machtmissbrauch und Verbrechen an Kindern". Er fragte, ob Ostern dabei helfen könne, in der Kirche eine neue Blickrichtung zu gewinnen, von der eine Aussicht auf Versöhnung und Neuwerden kommen könne. (mpl/KNA)