Benediktiner aus Kremsmünster wegen schweren Diebstahls verurteilt
Rund 70 Kunstgegenstände im Wert von 35.000 Euro aus Kloster entwendet

Benediktiner aus Kremsmünster wegen schweren Diebstahls verurteilt

Plötzlich waren wertvolle Kunstgegenstände aus dem Benediktinerstift Kremsmünster verschwunden. Schuld war der Kunstverantwortliche des Klosters, wie sich herausstellte. Der wurde jetzt verurteilt – und hat seine Version der Geschichte erzählt.

Steyr - 16.04.2021

Der ehemalige Kustos des Benediktinerstifts Kremsmünster in Oberösterreich ist wegen schweren Dienstahls in seinem Kloster verurteilt worden. Er bekam eine Bewährungsstrafe von acht Monaten, entschied ein Gericht in Steyr laut "kathpress" am Donnerstag. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Benediktiner vor drei Jahren rund 70 Kunstgegenstände wie Gemälde, Kupferstiche, Bücher und Kerzenleuchter im Wert von 35.000 Euro aus dem Kloster entfernt hatte. Ein befreundeter Antiquitätenhändler deponierte die Stücke in einer Garage. Als Grund gab der Mönch an, nach seiner Absetzung als für Kunstgegenstände zuständiger Kustos im Herbst 2018 sich nicht von den Werken habe verabschieden können. Durch jahrelange Spannungen im Kloster habe er eine "Erschöpfungsdepression erlitten". Die Kunstwerke habe er später ins Kloster zurückbringen wollen.

Fehlen fiel erst im vergangenen Frühjahr auf

Sein Nachfolger als Kustos führte im Frühjahr 2020 eine Inventur durch, bemerkte das Fehlen der Gegenstände und stelle eine Anzeige gegen Unbekannt. Bei einer Befragung durch die Polizei gab der nun Verurteilte die Existenz des in der Garage eingerichteten Lagers an. Bevor die Polizei dorthin fuhr, wies er jedoch den Antiquitätenhändler an, wiederum einige Stücke zu entfernen. Der Verteidiger gab an, sein Mandant habe sich in einem Ausnahmezustand befunden, er habe nie Werke verkaufen und sich persönlich bereichern wollen. Im Januar hatten Medien berichtet, dass der Mann über Jahre hinweg 50 Kunstwerke verkauft haben sollte - insgesamt im Wert von 300.000 Euro. Demnach habe von 21 Kunstwerken jede Spur gefehlt, bei anderen hätten Geschäfte rückabgewickelt werden müssen.

Der Antiquitätenhändler wehrte sich vor Gericht gegen den Vorwurf der Hehlerei. Er habe dem Benediktiner lediglich einen Freundschaftsdienst erwiesen. In seinem Fall wurde eine Diversion durchgeführt, also gegen die Ableistung einer Strafmaßnahme auf die Durchführung eines Strafverfahrens verzichtet.

Das Benediktinerkloster Kremsmünster verfügt über eine reichhaltige Sammlung, zu der 2.200 Gemälde, 70 Ikonenbilder, 2.000 Kupferstiche und historische Objekte der Rüstkammer gehören. Bekanntestes Stück ist der Tassilo-Kelch, der möglicherweise um das Jahr 780 vom bayerischen Herzog Tassilo und seiner Gemahlin Luitpirga anlässlich der Gründung des Kloster 777 gestiftet wurde. (cph)