Bischog Georg Bätzing
"Menschen in homosexuellen Partnerschaften wollen den Segen der Kirche"

Bischof Bätzing für Weiterentwicklung der katholischen Sexuallehre

"Ich glaube, dass wir Homosexualität und gelebte Partnerschaften außerhalb der Ehe anders einschätzen müssen", so Bischof Georg Bätzing. Er könne das Vatikan-Nein zu Segnungen zwar verstehen, doch die pastorale Entwicklung gehe längst darüber hinaus.

Berlin - 16.04.2021

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, wünscht sich in der katholischen Kirche eine intensive Auseinandersetzung über den Wunsch homosexueller Paare nach kirchlicher Segnung ihrer Partnerschaft. "Die Menschen in homosexuellen Partnerschaften wollen den Segen der Kirche, und zwar nicht im Verborgenen. Sie wollen, dass die Kirche ihr Leben für so wertvoll hält, dass man ihm den Segen Gottes gibt und nicht vorenthält", sagte der Limburger Bischof dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag).

"Diesem Wunsch müssen wir uns stellen. Dafür brauchen wir eine intensive Auseinandersetzung. Wir können diese Fragen nicht mehr einfach mit Ja oder Nein beantworten. Das ist nicht möglich", betonte der Bischof. "Ich glaube, dass wir Homosexualität und gelebte Partnerschaften außerhalb der Ehe anders einschätzen müssen", fügte er hinzu. "Wir können nicht mehr weiter allein vom Naturrecht ausgehen, sondern müssen viel stärker in Kategorien von Fürsorge und personaler Verantwortung füreinander denken." Er wünsche sich in dieser Hinsicht eine Weiterentwicklung der katholischen Sexuallehre, sagte der DBK-Vorsitzende.

Er verstehe das Nein der Vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften, erläuterte Bätzing. Die Stellungnahme der Glaubenskongregation gebe den Stand der kirchlichen Lehre wieder. "Aber das hilft nichts, weil es längst eine pastorale Entwicklung gibt, die darüber hinausgeht. Und das bedeutet: Es steht Veränderung an", so Bätzing.

Kritik an Demonstrationen von Corona-Leugnern

Auch zur Corona-Pandemie äußerte sich der DBK-Vorsitzende und kritisierte die Art und Weise, wie "Querdenker" und andere Corona-Leugner in deutschen Städten gegen Pandemie-Maßnahmen protestieren. "Demonstrationen sind ein legitimes Mittel, um Meinungen zu artikulieren", sagte Bätzing. "Dieses Recht stößt aber an seine Grenzen, wenn durch regellose Demonstrationen das Leben anderer Menschen gefährdet wird."

Der Bischof nahm jedoch auch die Politik in die Pflicht. "Die Bereitschaft der großen Mehrheit, Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie in Kauf zu nehmen, ist nach wie vor hoch. Dennoch haben die politischen Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit dazu geführt, dass die Interessen sich immer weiter verästeln. Das macht es nicht einfacher, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu organisieren, der schon vor der Pandemie zu bröckeln begonnen hatte", so Bätzing.

Durch die Dauer der Pandemie steige der Druck, politische Entscheidungen so zu erklären, dass sie auch verstanden würden. "Wir benötigen den großen demokratischen Konsens. Ich denke, die politische Ebene hat das zuletzt verstanden und die Parlamente stärker an Entscheidungen beteiligt", sagte der Bischof. (tmg/KNA)