Begegnungen auf Augenhöhe

Queen Elizabeth II. traf mit fünf Päpsten zusammen

Aktualisiert am 20.04.2021  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Queen Elizabeth II. gilt im Vatikan als eine der letzten christlichen Monarchen. Sie ist die einzige englische Königin, die zur Audienz nach Rom reiste und Päpste in ihrem Land empfing. Am Mittwoch wird sie 95 Jahre alt.

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Die Queen hat im Wesentlichen jeden kennengelernt, der auf der politischen Ebene wichtig war oder ist. Mittlerweile kommt mit Boris Johnson der 15. Premierminister zur wöchentlichen Audienz; Winston Churchill war der erste. Joe Biden ist bereits der vierzehnte US-Präsident in ihrer Regierungszeit. Auf der kirchlichen Ebene sieht es nicht anders aus: Mit Ausnahme von Paul VI. (1963-1978) und Johannes Paul I. (1978) traf sie mit allen Päpsten zusammen, entweder in Rom oder in England.

Noch als Thronfolgerin reiste sie in Begleitung ihres jetzt verstorbenen Ehemanns nach Italien, wo sie Papst Pius XII. (1939-1958) am 13. April 1951 im Rahmen einer Privataudienz empfing. Elizabeth und Philip bekamen noch eine Tour durch den Apostolischen Palast geboten, dann wurden sie mit dreifachem Hipp-Hipp-Hurra von den Priestern und Seminaristen der englischen katholischen Institute verabschiedet. Zu Hause in England wurde einige Kritik daran laut, dass sie im Rahmen eines Staatsbesuches den Papst aufsuchte. Es war das erste Mal für Elizabeth, dass sie mit Kritik vor allem in der Presse konfrontiert wurde - und es sollte, wie sie leidvoll erfahren sollte, nicht das letzte Mal bleiben.

Zehn Jahre später, als sie wieder nach Italien kam, hatten sich die Umstände gründlich verändert. Aus der Prinzessin war eine Königin geworden; Papst war jetzt Johannes XXIII. (1958-1963), und das Zweite Vatikanische Konzil stand vor der Tür. Am 5. Mai 1961 stattete die Queen dem Vatikan erneut einen Staatsbesuch ab. Rund 600 Priester, Seminaristen und Ordensfrauen aus den Ländern des Commonwealth fanden sich ein, um sie hochleben zu lassen. Die vatikanische Kapelle intonierte die englische Nationalhymne. Die Queen sprach mit dem Papst Französisch, eine Sprache, die sie fließend beherrscht. Am Ende des knapp halbstündigen Gespräches erklärte ein sichtlich gut gelaunter Johannes XXIII., das Verhältnis zwischen England und dem Vatikan sei niemals herzlicher gewesen.

Bild: ©picture alliance/Agencia ANSA

Queen Elizabeth II. und Papst Johannes Paul II. im Oktober 1980 während eines Besuchs der Königin im Vatikan.

20 Jahre vergingen danach bis zum nächsten Besuch der Queen im Vatikan. Nun saß Johannes Paul II. auf dem Papstthron. Am 17. Oktober 1980 kam Englands Königin zum Papst aus Polen. Thema war unter anderem der für 1982 anvisierte Papstbesuch in England. Zur Erinnerung an ihre erste Begegnung im Vatikan mit Johannes Paul II. kam Elizabeth II. dann auf den Tag 20 Jahre später, am 17. Oktober im Heiligen Jahr 2000, noch einmal nach Rom. Ein stark gealterter, kranker Johannes Paul II. hielt gerührt die Hand der Queen.

Letzter Besuch im Jahr 2014

Anfang April 2014 kam die Queen ein letztes Mal in den Vatikan. Begleitet wurde Elizabeth II., zugleich Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche, von ihrem Ehemann, Prinz Philip. Nach dem rund 20-minütigen Gespräch wurden Geschenke ausgetauscht. Für Prinz George, dem damals noch nicht einjährigen Urenkel der Queen, gab Franziskus seinen Besuchern eine Art kleinen Reichsapfel mit, eine Lapislazuli-Kugel mit einem aufgesetzten Kreuz. Im Hinblick darauf, dass Prince George eines Tages wohl König sein wird, keine schlechte Wahl.

Zweimal war sie selbst Gastgeberin für einen Papst. Johannes Paul II. stattete 1982 als erster römischer Pontifex überhaupt dem Vereinigten Königreich einen Pastoralbesuch ab. Als sein Nachfolger Benedikt XVI. (2005-2013) im September 2010 nach Großbritannien kam, empfing die Queen ihn in ihrer schottischen Residenz Holyroodhouse in Edinburgh.

Alle Begegnungen der Queen mit den Päpsten verliefen in herzlichem Einvernehmen, getragen von gegenseitigem Respekt. Elizabeth II. ist nicht nur das Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche - eine Aufgabe, die sie mit großem Ernst ausfüllt. Sie lebt ihren Glauben und bezieht ihre Stärke daraus. In die Treffen ging sie daher auf Augenhöhe mit den Päpsten.

Von Christiane Laudage (KNA)