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Homosexuelle Paare im Privaten zu segnen ist keine Lösung

Statt eines Priesters könnten Familienmitglieder homosexuelle Paare segnen, schlug der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler am Dienstag vor. Christoph Brüwer irritiert der Vorschlag. Er fragt sich, welche Intention hinter so einer Idee steckt.

Von Christoph Brüwer |  Bonn - 22.04.2021

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Um die Diskussion über Segnungen gleichgeschlechtlicher Paarbeziehungen zu entschärfen, hat der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler am Dienstag einen neuen Vorschlag geäußert: die Verlagerung der Segensriten ins Private. Anstatt eines Priesters könnte die Herkunftsfamilie den Segen für gleichgeschlechtliche Paare aussprechen, so seine Vorstellung. Auch wenn dieser Vorschlag aus pastoraler Sicht vielleicht gut gemeint sein mag, wirft er doch einige Fragen auf.

Fraglich ist beispielsweise, welche Intention dahintersteckt, wenn statt Priestern Familienmitglieder segnen sollen. Schon jetzt kann jede Mutter ihr Kind segnen, so wie auch jeder Priester einzelne homosexuelle Menschen segnen kann. Was ist also weniger "schlimm" an einer Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares durch einen Laien zu Hause als durch einen Priester in der Kirche? Ist dieser Segen etwa weniger wert oder weniger gültig? Eine merkwürdige Vorstellung, wo es doch letztlich Gott ist, der dort segnet.

Außerdem erweckt der Vorschlag den Eindruck, als wenn das "Problem" dadurch aus der Welt geschafft werden soll, dass die Segnungen statt im öffentlichen Raum der Kirchengemeinde nur im Privaten stattfinden.

In ihrem Buch "Paare.Riten.Kirche" haben vier Autorinnen und Autoren liturgische Beispiele für Segnungsfeiern von Paaren gesammelt, für die eine katholische Trauung nicht möglich ist. Ihr Fazit: Obwohl sie die Möglichkeit kreativer Gestaltung gehabt hätten, wünschte sich der weitaus größte Teile einen Gottesdienst oder eine andere Form mit dessen Kernelementen, "also eine klassische katholische Liturgie mit einem 'pastoralen Profi', der diese leitet", fasste es einer der Autoren, David Walbelder von der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung, im katholisch.de-Interview im Januar zusammen.  

Auch wenn diese Studie keinen Gesamtblick auf alle gläubigen homosexuellen Paare wirft, wird doch deutlich: Viele wünschen sich einen kirchlichen Segen in einer liturgischen Form – zum Beispiel, weil sie sich in der Gemeinde und von den Seelsorgern vor Ort angenommen und wertgeschätzt fühlen. Wer einen kirchlichen Segen wünscht, sollte nicht gezwungen sein, diesen "nur" im Privaten gespendet bekommen zu dürfen.

Von Christoph Brüwer

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei katholisch.de.

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