Früherer Oberhirte von Eichstätt und Augsburg lebt zurückgezogen

Rücktritts-Skandal "tut noch immer weh": Bischof Walter Mixa wird 80

Aktualisiert am 25.04.2021  –  Lesedauer: 

Gunzenheim ‐ Wegen manch pointierter Aussage stand Walter Mixa früher häufig im Fokus der Öffentlichkeit. 2010 stürzte der damalige Augsburger Bischof über Gewalt- und Untreue-Vorwürfe. Nun wird Mixa 80 Jahre alt – und kämpft noch immer mit der Vergangenheit.

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Seine letzten Schlagzeilen sind inzwischen fast zwei Jahre alt. Im Mai 2019 sorgte Walter Mixa mit einem geplanten Auftritt bei der AfD direkt vor der Europawahl für Furore. Der ehemalige katholische Bischof von Augsburg wollte damals in der Schwaben-Metropole auf Einladung des Landtagsabgeordneten Markus Bayerbach einen Vortrag über Islamisierung und Christentum halten. Er habe aber "nicht gewusst, dass der ein AfD-Mann ist", erklärte Mixa nach öffentlicher Empörung und sagte das Referat ab. Im Januar zuvor hatte der Geistliche aber sehr wohl noch bei einer Veranstaltung der AfD gesprochen: in Stuttgart über Islam und Moscheebau.

Täte er das heute wieder? "Nein", antwortet Mixa. Hinterher schiebt er: "Wir müssen den Muslim achten, aber er muss auch uns in unserer Religion achten."

Früher oft im Rampenlicht

Mixa äußert sich im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Anlass ist sein runder Geburtstag: Am diesem Sonntag wird er 80 Jahre alt. Heute lebt Mixa zurückgezogen in der "Villa Barbara", einem herrschaftlichen Haus des Bistums Eichstätt in ländlicher Idylle in Gunzenheim im Landkreis Donau-Ries. Früher hingegen stand er oft im Rampenlicht.

Rückblick: Zur Welt kam Mixa 1941 im heute polnischen Königshütte in Oberschlesien. Nach der kriegsbedingten Flucht siedelte sich seine Familie in Heidenheim an der Brenz nördlich von Ulm an. Von 1964 bis 1970 studierte Mixa Philosophie und Theologie in Dillingen an der Donau und im schweizerischen Fribourg. 1970 weihte ihn der Augsburger Bischof Josef Stimpfle zum Priester. In den Folgejahren kletterte Mixa die kirchliche Karriereleiter hoch. 1996 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Eichstätt und 2000 zum katholischen Militärbischof für die Bundeswehr ernannt, 2005 von Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Augsburg.

Mixa mauserte sich seinerzeit zu einem markanten Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland. Dies verdankte sich seiner mitunter kantigen Wortwahl. Heftig griff er etwa 2007 die Kita-Ausbaupläne der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) an. Damit würden Frauen zu "Gebärmaschinen" degradiert, polterte Mixa.

Der emeritierte Bischof von Augsburg und der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB bei einer Messe.
Bild: ©KNA (Archivbild)

Walter Mixa und der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke bei einer Messe. Mixa war von 1996 bis 2005 Eichstätter Oberhirte, Hanke folgte auf ihn.

Dann kam das Frühjahr 2010 – und Mixa in die Bredouille. Medien berichteten damals, er solle einst als Pfarrer im oberbayerischen Schrobenhausen Heimkinder geohrfeigt und Gelder veruntreut haben. Der Streit spitzte sich zu, als Mixa "die eine oder andere Watschn" einräumte und seinen Rücktritt anbot. Papst Benedikt XVI. nahm das Ersuchen an. Mixa aber widerrief daraufhin, wollte persönlich mit dem Kirchenoberhaupt reden. Sein Bischofsamt bekam er gleichwohl nicht zurück.

Nach Mixas Abgang erlahmten die Bestrebungen, die Vorwürfe gegen ihn aufzuklären, zu denen schließlich auch noch die Anschuldigung des sexuellen Missbrauchs an einem Ministranten in Eichstätt gekommen war. Diesen Verdacht legte die Staatsanwaltschaft schnell zu den Akten. Zum Verhängnis waren Mixa letztlich wohl nicht die Vorhaltungen selbst geworden, sondern sein schlechtes Krisenmanagement sowie mangelnder Rückhalt in Diözese und Bischofskonferenz.

Regelmäßige kirchliche Dienste

Nein, sagt Mixa heute, mit den Geschehnissen von damals habe er längst nicht abgeschlossen. "Das tut mir immer noch weh." Er könne den Schmerz nur im Gebet bewältigen. Davon abgesehen gehe es ihm aber gut, versichert Mixa. "Ich bin sehr zufrieden und gesundheitlich dank des lieben Gottes gut beieinander." Daher nehme er nach wie vor regelmäßig kirchliche Dienste wahr, er feiere Gottesdienste und führe Seelsorgsgespräche.

Dabei sei zurzeit immer wieder eines Thema: Corona. Die damit zusammenhängenden "Einschränkungen im Kirchenraum selber" bewegten ihn sehr, sagt Mixa. Dass man etwa Bänke sperren und Masken tragen müsse, halte er für schwierig. Aus Sorge vor der Pandemie blieben leider viele Gläubige, die sonst verlässlich zur Messe kämen, fern.

Indessen ständig zugegen ist "Waldimaus". Mit der Dackeldame an seiner Seite macht der Geistliche heute keine Schlagzeilen mehr, er macht Spaziergänge: "Jeden Tag mindestens eine Stunde, es gibt hier sehr schöne Waldwege."

Von Christopher Beschnitt (KNA)