Frühere EKD-Ratsvorsitzende wurde einst selbst damit konfrontiert

Käßmann: Vorurteile über Mütter und Karriere nerven

Aktualisiert am 25.04.2021  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Die Debatten um die Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock sind laut Margot Käßmann ein Beispiel: Immer noch werde die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Karriere fast ausschließlich Frauen gestellt. Das ärgere sie, so die Ex-EKD-Chefin.

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Die evangelische Theologin Margot Käßmann ärgert sich über Vorurteile über Mütter und Karriere. Zwar werde heute die Frage, ob eine junge Mutter als Kanzlerin kandidieren sollte, nicht mehr explizit gestellt, schrieb die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der "Bild am Sonntag": "Aber in Anspielungen und hinter den Kulissen ist sie präsent." Die Grünen-Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock (40), Mutter von zwei kleinen Töchtern, spreche das Thema selbst offensiv an, "weil sie um die immer noch herrschenden Vorurteile weiß".

Als sie selbst vor 22 Jahren im Alter von 40 für das Bischofsamt in Hannover kandidiert habe, sei sie ständig mit der Frage konfrontiert worden, was das Amt für ihre vier Töchter bedeuten würde, schrieb Käßmann. "Mein Gegenkandidat hatte vier Söhne – bei ihm war das egal. Weil alle davon ausgingen, dass eine Ehefrau alle familiären Lasten trägt."

Entscheidung allein der Eltern

Es ärgere sie, dass solche Fragen auch im Jahr 2021 fast ausschließlich Müttern gestellt würden und nicht Vätern, erklärte die 62-jährige Theologin. "Die Entscheidung, ob ein öffentliches, rund um die Uhr forderndes Amt ein gangbarer Weg für eine Familie ist, können allein die Eltern entscheiden", schrieb sie. "Sie stehen in der Verantwortung und nicht alle die, die allzu gern mitreden."

Margot Käßmann war bis 2010 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Bis 2011 war sie zudem Hannoversche Landesbischöfin. Zwischen 2012 und 2017 war sie "Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017". Seitdem hatte sie Gastprofessuren inne und gab das Magazin Chrismon mit heraus. 2018 ging sie in Frühpension. (mal/epd)