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Standpunkt

Für mehr Diversität an der ZdK-Spitze

Wer steht künftig dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken vor? Christoph Paul Hartmann plädiert für mehr Diversität an der Spitze der Laienvertretung, um die katholische Vielfalt in Deutschland widerzuspiegeln. Das werfe auch weitere Fragen auf.

Von Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 28.04.2021

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Thomas Sternberg hört auf. Der CDU-Politiker tritt nicht für eine Wiederwahl als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken an – was von jetzt auf gleich die Frage virulent macht, wer denn als Kopf der katholischen Laienvertretung taugt. Bislang prägten und prägen Honoratioren die ZdK-Spitze: Adlige, verdiente Unionspolitiker, Minister und Landtagspräsidenten. Durchaus nachvollziehbar: Die ZdK-Präsidentschaft ist ein zeitaufwendiges Ehrenamt, da schadet eine unabhängige, allseits anerkannte Position nicht. Zudem ist die Überlegung des ZdK sinnvoll, den Bischöfen jemanden auf der gleichen gedachten Amtsschiene gegenüber zu stellen.

Nun hat dieses Vorgehen allerdings den Nebeneffekt, dass stets Vertreter der gleichen sozio-ökonomischen Schicht dem ZdK vorstehen, es fehlt an Diversität. Dabei ist es ja gerade die Vielfalt, die die Kirche in Deutschland prägt und die das ZdK durch Mitglieder aus Pfarreien, Verbänden und Einzelpersönlichkeiten widerzuspiegeln sucht. Diese Vielfalt sollte sich auch an dessen Kopf finden.

Parteien haben, vor das gleiche Problem gestellt, bereits unterschiedliche Lösungen gefunden. Dazu gehören Doppelspitzen, die auch einen Regionen- oder Lagerproporz darstellen. Jüngst haben die Grünen mit der Nominierung von Annalena Baerbock ein Zeichen gesetzt, dass es nicht immer ältere (männliche) Semester sein müssen, sondern dass auch einer 40-järhigen Frau Verantwortung zugetraut wird.

Das kann das ZdK inspirieren: Zum einen wäre nach der bisher einzigen ZdK-Präsidentin Rita Waschbüsch (1988–1997) eine weitere Frau sicher eine gute Idee – oder jemand, der in anderer Form die Breite der Kirche in Deutschland repräsentiert: Menschen aus Familien mit Migrationsgeschichte, aus Ostdeutschland oder Nicht-Akademiker. Zum anderen könnte die solitäre Präsidentschaft in Frage gestellt werden: In einer Doppelspitze könnten verschiedene Qualifikationen kombiniert werden: jung und alt, Frau und Mann, Politik und Zivilgesellschaft. Zudem könnte so die Arbeitslast geteilt werden.

Denn die ist beachtlich: Mehr als 22 Millionen Katholiken in Deutschland vertreten sich nicht in einer müßigen Viertelstunde in der Woche, da braucht es auch ökonomisch den entsprechenden Rückhalt. Wer mehr Diversität und nicht nur wohlsituierte Bürgerliche im Amt will, muss auch die Frage der Entlohnung oder Entschädigung zulassen. Sonst bleibt die ökonomische Schranke für all jene unten, die nicht bereits ausgesorgt haben.

Diese Diskussion mag mit Blick auf den engen Zeitplan der Wahl im Herbst aufwendig sein, aber sie ist notwendig. Wenn die deutschen Katholiken in Sachen Missbrauchsaufarbeitung und Synodaler Weg produktiv und gegenüber den Bischöfen auch immer wieder kraftvoll auftreten wollen, brauchen sie eine Leitung, die die verschiedenen Perspektiven des Katholischen personifiziert.

Von Christoph Paul Hartmann

Der Autor

Christoph Paul Hartmann ist Redakteur bei katholisch.de.

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Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.