Mose wird gerettet
Zum "Tag des Babys" am 2. Mai

Biblische Geschichten von den Allerkleinsten

Von manchen "prominenten" Protagonisten abgesehen, erzählt die Heilige Schrift nur selten Episoden aus dem Leben von Kleinkindern. Dennoch spiegeln einige Texte das Schicksal von Säuglingen in der biblischen Zeit wider. Zum "Tag des Babys" stellt katholisch.de die wichtigsten Stellen vor.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 02.05.2021

Kinder sind ein Geschenk – das wussten schon die Autoren der Bibel. Besonders im Alten Testament wird teilweise über ganze Kapitel hinweg fleißig gezeugt und geboren. Kein Wunder, schließlich erzählt das Gottesvolk Israel darin seine Anfänge als Familiengeschichte. Gleichzeitig wissen die Erzähler um die besondere Gefährdung und Schutzbedürftigkeit der Allerkleinsten. Auch wenn Episoden von Kleinkindern nur sehr selten erzählt werden, greifen die biblischen Texte diese Erfahrungen immer wieder auf. Außerdem werden Säuglinge immer wieder dafür herangezogen, um den Wunsch-Zustand der Welt zu beschreiben.

Das Schicksal von Babys in der biblischen Umwelt

In einigen Texten des Alten Testamens spiegelt sich die zeitlose Erkenntnis wider, dass Säuglinge und Kleinkinder als schwache Glieder der Gesellschaft von Armut sowie von Kriegen und ihren Folgen besonders betroffen sind. Gemäß dem Buch Hiob wurden Säuglinge als Pfand genommen (vgl. Hi 24,9). Mehrfach werden Babys neben anderen Gruppen als Opfer kriegerischer Handlungen ausdrücklich erwähnt (vgl. etwa 2 Kön 8,12), gelegentlich werden sie zusammen mit Frauen als Opfergruppe besonders hervorgehoben (Mi 2,9). Der schlechte Zustand der Jerusalemer Bevölkerung nach der Eroberung der Stadt durch die Chaldäer im Jahr 586 vor Christus wird im 2. Klagelied unter anderem mit Blick auf die Kleinkinder verdeutlicht: Sie vegetieren auf den Gassen der Stadt (Klgl 2,11f.). Und im vierten Klagelied heißt es: "Des Säuglings Zunge klebt an seinem Gaumen vor Durst. Kinder betteln um Brot; keiner bricht es ihnen" (Klgl 4,4).

Kleinkinder kommen allerdings auch in Texten vor, die einen Kontrast zur vielfach leidgeplagten Situation des Volkes Gottes skizzieren – nämlich in Visionen über ein friedliches künftiges Jerusalem beziehungsweise eine friedvolle künftige Welt. So wird es nach dem Propheten Jesaja im neuen Jerusalem unter einem neuen Himmel und auf einer neuen Erde keine Säuglingssterblichkeit geben (Jes 65,20). Und laut seiner bekannten utopischen Vision wird es im Reich des zukünftigen Friedenskönigs ohne Gefahr möglich sein, dass der Säugling sich am Loch der Viper erfreut und das entwöhnte Kleinkind seine Hand in die Höhle der Otter steckt (Jes 11,1ff.). Die Situation von Säuglingen und Kleinkindern ist demnach ein Indikator dafür, wie es um dem Frieden Gottes in der Welt bestellt ist.

Linktipp: "Lasset die Kinder zu mir kommen"

Rund 600 Mal kommen Kinder in der Bibel vor. Hauptrollen spielen sie zwar selten, unwichtig sind sie deswegen aber keinesfalls. Zum Weltkindertag stellen wir elf Bibelgeschichten vor.

Babys in Gleichnissen

Kleinkinder werden in der Bibel häufig dafür herangezogen, um die unverbrüchliche Beziehung Gottes zu seinem Volk zu beschreiben. So heißt es bei Jesaja, dass Gott Israel nicht vergessen könnte – so wie auch eine Mutter einen im eigenen Leib ausgetragenen Säugling nicht vergessen oder besser vernachlässigen könnte (Jes 49,15). Nach Psalm 8 hat Gott durch den Mund der Säuglinge ein "Bollwerk" errichtet, damit seinen Feinden Einhalt geboten wird (Ps 8,3). Wie auch immer das im Einzelnen zu verstehen ist – bei "Mund" kann etwa an ein stammelndes Lob der kleinen Kinder oder an ihr Schreien gedacht werden: In dieser Perspektive zählen Kleinkinder nicht wie gewöhnlich zu den ersten Opfern von Kriegen oder Angriffen, sondern werden durch Gott zum Mittel der Besänftigung der Feinde.

Mose: Das berühmteste Findelkind der Welt

Eine der berühmtesten Figuren des Alten Testaments ist bekannt, seit er ein Baby ist: Mose, der geboren wurde, als die Israeliten in Ägypten lebten. Der Pharao wollte die Vermehrung des fremden Volkes eindämmen und befahl, dass alle neugeborenen Jungen in den Nil geworfen werden sollten) (Ex 1,8-22. Mose wird von seiner Mutter zunächst versteckt, nach drei Monaten in einem Korb auf dem Nil versteckt und schließlich von der Tochter des Pharao gerettet, die ihn zu sich nimmt. Dieses Findelkind wird später der Anführer des Volkes Israel beim Auszug aus Ägypten. Durch diese Geschichte wird von vornherein unterstrichen: Schon als Säugling trotzt Mose dem Tod – ein Zeichen, dass Gott mit ihm ist.

Der "Kindermord zu Bethlehem" im Freskenzyklus der Kreuzlegende von Cenni di Francesco (1411)in der Capella della Croce der Kirche San Francesco im italienischen Volterra (Toskana).

Der "Kindermord von Bethlehem"

Ein Herrscher, der um seine Macht fürchtet und daher Babys nach dem Leben trachtet: Dieses Motiv ist auch die Grundlage der Erzählung vom "Kindermord von Bethlehem" im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums. Dort wird im Rahmen der Erzählung von der Geburt Jesu über die Verehrung des Neugeborenen durch Sterndeuter aus dem Osten berichtet. Deren Suche nach dem "neugeborenen König der Juden", der in Bethlehem geboren worden sein soll, schreckt König Herodes auf. Denn Bethlehem gilt als Stadt Davids, dem Gott verheißen hatte, sein Nachkomme werde auf ewig den Thron erben. Für Herodes ist also ein Thronanwärter, der sich auf eine Abstammung von David beruft, gefährlich. Deshalb lässt er in Bethlehem und der ganzen Umgebung alle Jungen bis zum Alter von zwei Jahren töten. Der kleine Jesus entgeht jedoch dem Zorn des Herrschers: Sein Ziehvater Josef wird in einem Traum von Gott gewarnt und aufgefordert, das Land zu verlassen und mit seiner Frau Maria und dem Kind nach Ägypten zu fliehen.

Das salomonische Urteil

Ein Säugling spielt auch eine Hauptrolle bei einem der berühmtesten Urteilssprüche der Welt. Das Erste Buch der Könige erzählt, wie der israelitische König Samuel einen Konflikt zweier Frauen, die beide behaupteten, die Mutter desselben Neugeborenen zu sein, löst (1 Kön 3,16-28): Er gibt die Anweisung, das Kind mit dem Schwert zu teilen, sodass jede eine Hälfte bekomme. Eine der Frauen verzichtet, damit das Kind am Leben bleibt – und zeigt sich so als die wahre Mutter. Noch heute wird manchmal von einem "salomonischen Urteil" gesprochen. Gemeint ist damit eine Entscheidung, die so weise ist wie die, die einst König Salomo fällte.

Von Matthias Altmann